Hohes Haus (Schwäbisch Hall)

Datenbank Bauforschung/Restaurierung

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Wohnhaus

ID: 112365922113  /  Datum: 15.04.2021
Datenbestand: Bauforschung
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Objektdaten

Straße: Uhlbergstraße
Hausnummer: 4
Postleitzahl: 70794
Stadt-Teilort: Filderstadt-Plattenhardt

Regierungsbezirk: Stuttgart
Kreis: Esslingen (Landkreis)
Wohnplatzschlüssel: 8116077011
Flurstücknummer: keine
Historischer Straßenname: keiner
Historische Gebäudenummer: keine
Lage des Wohnplatzes: Lage des Wohnplatzes
Geo-Koordinaten: 48,6563° nördliche Breite, 9,1950° östliche Länge

Kartenansicht (OpenStreetMaps)

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Objektbeziehungen

Ist Gebäudeteil von:
keine Angabe

Besteht aus folgenden Gebäudeteilen:
1. Beinhaltet Bauteil: Scheune

Umbauzuordnung

keine

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Bauphasen

Kurzbeschreibung der Bau-/Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:

Auf älterem Steinsockel mit Keller errichtetes Fachwerkgebäude von 1773 (d).


1. Bauphase:
(1600)
Massiver Sockel eines um 1600 entstandenen Vorgängerbaus des heutigen Wohnhauses.
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Untergeschoss(e)
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Dorf
Bauwerkstyp:
  • Wohnbauten
    • Wohnhaus
Konstruktionsdetail:
  • Gewölbe
    • Tonnengewölbe
  • Steinbau Mauerwerk
    • hammerrechtes Schichtenmauerwerk
    • Werkstein

2. Bauphase:
(1773)
Errichtung des bestehenden Holzgerüstbaus.
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Erdgeschoss
  • Dachgeschoss(e)
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Dorf
Bauwerkstyp:
  • Wohnbauten
    • Wohnhaus
Konstruktionsdetail:
  • Dachform
    • Satteldach
  • Dachgerüst Grundsystem
    • Sparrendach, q. geb. mit stehendem Stuhl
  • Detail (Ausstattung)
    • Floßspuren

3. Bauphase:
(1850 - 1910)
Erste Modernisierung des Hauses.
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Erdgeschoss
  • Dachgeschoss(e)
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Dorf
Bauwerkstyp:
  • Wohnbauten
    • Wohnhaus
Konstruktionsdetail:
  • Holzgerüstbau
    • Unterbaugerüst, einstöckig

Besitzer:in

keine Angaben

Fotos

Abbildungsnachweis
Ansicht des Wohnhauses von Nordosten / Wohnhaus in 70794 Filderstadt-Plattenhardt (03.04.2018 - Tilmann Marstaller)

Zugeordnete Dokumentationen

  • Bauhistorische Untersuchung

Beschreibung

Umgebung, Lage:
Bei dem Gebäude Uhlbergstraße 4 handelt es sich um das giebelständig an der Plattenhardter Hauptstraße errichtete Wohnhaus eines Winkelhakengehöfts, dem mehr oder weniger spiegelbildlich ein zweites Winkelhakengehöft, Uhlbergstraße 2 zugeordnet ist. Die beiden Gehöfte besaßen folglich eine breite Hofeinfahrt, die zwar besitzrechtlich in zwei Teile aufgeteilt war, zum Rangieren aber große Vorteile bot.
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Dorf
Bauwerkstyp:
  • Wohnbauten
    • Wohnhaus
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung):
Bei dem Wohnhaus Uhlbergstraße 4 handelt es sich um ein eingeschossiges Fachwerkhaus, das über einem in den ansteigenden Hang gesetzten und damit nordöstlich zu einem hohen Schwellsockel werdenden Kellergeschoss abgezimmert wurde. Das in drei Querzonen und zwei Längszonen unterteilte Traufgerüst ist an der Westecke abgeschrägt, um hier eine ausreichende Zufahrt zur Scheune von 1659 (d) zu gewährleisten. Das Traufgerüst ist von einem dreigeschossigen Satteldach überdeckt, dessen untere beiden Geschosse am Straßengiebel leicht vorkragen. Während der Keller an der Nordostseite ein Rundbogenportal und auch einen inneren Kellerzugang besitzt, ist die Wohnebene von der nordwestlichen Hofeinfahrtseite aus erschlossen. Die Abzimmerungsweise ist rein neuzeitlich mit vollständig verzapft ausgeführten Aussteifungshölzern und zweifach verriegelten Fachwerkwänden.
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
Soweit sich die Konstruktion über die nachvollziehbaren Strukturen des Traufgerüstes und über das zeitgleich errichtete Dachwerk beurteilen lässt, war das Traufgerüst von 1773 (d) in zwei Längs- und drei, möglicherweise auch partiell nur zwei Querzonen gegliedert. Dabei nahm die nordöstliche, also straßenseitige Querzone mit der Stube bereits mehr als die Hälfte des Gesamtgrundrisses ein. Aufgrund der Lage der Querbünde im 1. DG ist davon auszugehen, dass sich die innere Querzone auf die Südwestseite des Kellers bezog, sodass der südwestliche innere Querbund (QA 3) mit der heute bestehenden Trennwand übereinstimmen könnte. Dafür spricht auch, dass am Schnittpunkt von QA 3 mit LA A die hofseitige Außenwand (LA A) nach Süden abknickt – ein Bauzustand, der schon im Urkataster von 1830 so zu finden ist. Allerdings existiert in LA C kein dazu passender Bundständer, was die Überlegung in Frage stellt. Die Querbünde der Dachkonstruktion orientieren sich am EG.
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand):
Massiver Hausschwammbefall, der den Abbruch unumgänglich machte. (Stand 2019)
Bestand/Ausstattung:
Eine Besonderheit war die vollständig erhaltene Stabfelderdecke über der Stube im Nordosten.

Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
  • Dachform
    • Satteldach
  • Holzgerüstbau
    • allgemein
Konstruktion/Material:
Keller:
Er liegt unter dem nördlichen, straßenseitigen Teil des Gebäudes und nimmt etwa 2/3 der Gebäudebreite und -länge ein. Aufgrund des nach Nordosten abfallenden Geländes ragt das Sockelgeschoss mit dem Keller bis zu zwei Meter über das Straßenniveau hinaus. So konnte der Keller von hier aus bequem durch ein Rundbogenportal mit Sandsteingewände betreten werden. Lediglich zwei Stufen benötigte man vom heutigen Straßenniveau bis zum Kellerboden hinab. Die in dieser Hinsicht günstige Geländetopografie nutzte man auch um den Keller über zwei Fensteröffnungen an der Straßenseite zu beleuchten. Beide Fenster konnten ursprünglich außenseitig durch Steinschieber geschlossen werden, wovon aber leider nur noch die entsprechenden Nuten an den Fenstergewänden zeugen. Die Schiebesteine selbst sind schon vor langer Zeit verloren gegangen. Ein weiterer Zugang führte vom Innern des Gebäudes aus nach unten. Seine Lage ist bezogen auf den Grundriss des bestehenden Traufgerüstes, jedoch sehr ungewöhnlich und führte im Bereich der Stubenkammer des Hauses von 1773 (d) nach unten. Der innere Kellerabgang wurde offenbar erst später räumlich von der Stubenkammer getrennt und ist gegenwärtig theoretisch von der Küche aus zugänglich (wäre an der Stelle nicht ein massiver Befall der Bauhölzer mit echtem Hausschwamm). Das hohe, im Querschnitt segmentbogenförmige Gewölbe des Kellers setzt altertümlich tief auf den niederen Seitenwänden an und ist so konzipiert, dass sich die Scheitelhöhen von Kellergewölbe und Rundbogenportal entsprechen. Die Gewölbeschale wie auch deren Lüftungsöffnungen sind sorgfältig aus relativ großen Hausteinen gefertigt. Backsteine sind nicht zu erkennen. Demnach weist die sorgfältige Ausführung des Mauerwerks auf eine Entstehung des Kellers am Ende des 16. oder frühen 17. Jahrhunderts hin.

Traufgerüst:
Das Fachwerk der Erbauungszeit ist durch die jüngeren Umbaumaßnahmen in seinem Bestand stark reduziert. An der südöstlichen Traufseite scheint sich ein zweifach verriegeltes, durch gegenständige Feldstreben ausgesteiftes Fachwerk schemenhaft abzuzeichnen, das durchaus noch in die Bauzeit des Hauses zurückreichen kann, dann aber auf eine Aufteilung der Wand in zwei Zonen hindeutet.

Dachgerüst:
Bei dem dreigeschossigen Dachwerk des Hauses handelt es sich um ein konventionelles Sparrendach, bestehend aus 12 Gespärren. Wie im Traufgerüst, so sind auch im Dachgerüst sämtliche Holzverbindungen verzapft ausgeführt. Die Gespärre werden im 1. DG durch einen dreifach stehenden, im 2. DG durch einen einfach stehenden (=> Unterfirstkonstruktion) Stuhl unterstützt und in Längsrichtung ausgesteift. Im 1. DG sind bzw. waren die Stuhlständer von QA 1 (Straßengiebel), QA 2 und QA 4 in Wände eingebunden und dadurch in Querrichtung ausgesteift. Die Längsaussteifung ist nur innerhalb von LA E und LA F nachvollziehbar. Hier finden sich an den Stuhlständern E#1 und E#2 und F#2 jeweils einfache Kopfstreben. Im 2.DG wurde auf eine Queraussteifung der Unterfirstständer verzichtet. Auch hier sind es ausschließlich Kopfstreben, die als Längsaussteifung dienen.

Baumaterial
Unter den geflößten Bauhölzern im Dachgerüst finden sich Exemplare mit Handelsmarken.

Raumnutzung 1773 (d)
Zur ursprünglichen Raumnutzung liegen nur noch eingeschränkt Hinweise vor. Unstrittig ist die Nutzung des großen nördlichen Eckraumes R002 als Stube. Denn hier findet sich noch die bauzeitliche Täferdecke mit ihren altertümlich profilierten Stäben, welche das Deckentäfer in querrechteckige Felder teilen. Die Stube dürfte noch ihren bauzeitlichen Zugang besitzen, wenngleich die Trennwand zwischen Stube und Flur selbst offenkundig stark verändert wurde. Dies gilt insbesondere für das südwestliche Ende der inneren Längswand (=> LA B), die vermutlich bei Verlegung des Ofens und Neuanlage des Schornsteins im 20. Jh. im bestehenden Flur durchbrochen wurde. Dadurch erhielt die Stube eine in die südöstliche Längszone eingreifende Nische unbekannter Funktion. Südöstlich der Stube befindet sich noch heute die Stubenkammer R005, die ursprünglich sicher von der Stube aus und vielleicht auch nur von hier aus zugänglich war. Allerdings besteht aufgrund der Ausformung des Fachwerks an der südöstlichen Außenwand einigermaßen Rätselraten sowohl über die Größe des Raumes östlichen Eckraumes als auch über die südwestlich anschließenden Räume oder des anschließenden Raumes. Der zuletzt als Flurküche genutzte Raum R001 in der inneren Querzone diente ursprünglich sicher ausschließlich als Flur. Hier befand sich 1773 (d) höchstwahrscheinlich auch die Aufgangstreppe ins 1. DG. Bei dem völlig veränderten südöstlich angrenzenden Raum R003 könnte es sich einst um die eigentliche Küche gehandelt haben, die sich ursprünglich vermutlich bis über den Kellerabgang erstreckte. Allerdings passt das Fachwerk der Außenwand (LA E) nicht wirklich zu dieser Interpretation, sodass hier wichtige Frage offen bleiben.
Die südwestliche Außenzone konnte kaum zur Unterbringung weiterer Wohnräume genutzt werden. So spricht die Form des Grundrisses vielleicht dafür, dass man hier 1773 (d) einen schmalen Viehstall einrichtete. Dies würde auch zur Bauzeit des Fachwerkteils gut passen, da im Laufe des 18. Jh. allgemein mehr und mehr von der Weidewirtschaft auf die Stallviehhaltung umgestellt wurde. Für welche Tierart der mutmaßliche Stall dienen sollte, ist natürlich völlig unklar. Möglicherweise änderte sich an der Stallnutzung auch nach der Erweiterung der Querzone im späteren 19. Jh. nichts. Erst in der ersten Hälfte des 20. Jh. scheint man die alte Nutzung zugunsten der bestehenden Waschküche mit den noch jüngeren sanitären Anlagen aufgegeben zu haben.
Im 1. DG scheint die Raumteilung noch im Wesentlichen auf die Ursprungszeit 1773 (d) zurückzugehen. Allerdings sind auch hier sämtliche Wände verkleidet und die Brüchigkeit des Fußbodens im nordwestlichen Teil des Daches zeigte auch hier massiven Befall mit Hausschwamm an, sodass auf Wandfreilegungen verzichtet wurde.
Die sicher bauzeitliche Beleuchtung im Nordostgiebel durch das Fensterpaar weist R102 als bauzeitlichen, vermutlich als Schlafkammer und Lager genutzten Dachraum aus. Ob er von Anfang an die heute bestehenden, in den äußeren Stuhllängsbünden angelegten senkrechten Wände besaß oder ob der Dachraum ursprünglich die gesamte Dachbreite einnahm, muss offen bleiben. Dafür spricht jedenfalls, dass die Kopfstrebe der Längsaussteifung von Stuhlständer F#2 nach SW ansteigt und nicht wie in LA E zu Raum R102 hin. Wann die Längsunterteilung der südwestlichen Dachhälfte des 1. DG vorgenommen wurde ist ebenfalls unklar. Das 2. DG diente jedenfalls als durchgängige, wenig geräumige Bühne.

Spätere Umbauten (19. und 20. Jh.)
Wie bereits mehrfach erwähnt, wurde das Gebäude im 19. und 20. Jh. stark umgebaut. Die markanteste Veränderung stellt die Verlängerung des Hauses nach Südwesten dar. Der nach 1830 (Urkataster) vorgenommene Erweiterung bezweckte mutmaßlich eine Vergrößerung des angenommenen Viehstalls. Die Wände der Erweiterung wurden in zeittypischem, mit Bruchsteinen ausgefachten Fachwerk ausgeführt, d.h. hier sind Riegel und Streben nicht mehr miteinander verschränkt ausgeführt, sondern die Riegel zapfen in die Streben ein, was auch an den Abbundzeichen an den Riegelhölzern abzulesen ist, da sie jedes Segment von NW nach SO ansteigend einzeln zählen. Bei den Bauhölzern handelt es sich in vielen Fällen um Recyclingmaterial, was den holzarmen Zeiten in der Mitte bzw. der zweiten Hälfte des 19. Jh. Rechnung trägt. Dem Traufgerüst entsprechend wurde auch das Dachwerk um zwei Gespärre erweitert und das alte Giebelgespärre ersetzt.

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