Datenbank Bauforschung/Restaurierung

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Ettlinger Schloss, Südostturm

ID: 118906542212  /  Datum: 20.04.2011
Datenbestand: Bauforschung
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Objektdaten

Straße: Schlossplatz
Hausnummer: 3
Postleitzahl: 76275
Stadt-Teilort: Ettlingen

Regierungsbezirk: Karlsruhe
Kreis: Karlsruhe (Landkreis)
Wohnplatzschlüssel: 8215017004
Flurstücknummer: keine
Historischer Straßenname: keiner
Historische Gebäudenummer: keine
Lage des Wohnplatzes: Lage des Wohnplatzes

Kartenansicht (OpenStreetMaps)

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Objektbeziehungen

keine

Umbauzuordnung

keine

Bauphasen

Kurzbeschreibung der Bau-/Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:

Die dendrochronologische Probeentnahme an den Spanten der Kuppelkonstruktion ergab das Jahr 1727 (d) als spätestes Fälldatum.


1. Bauphase:
(1727)
Abzimmerung der Kuppelkonstruktion um 1727 (d)
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Dachgeschoss(e)
Lagedetail:
  • Schlossanlage
    • allgemein

Besitzer:in

keine Angaben

Fotos

Abbildungsnachweis
Ansicht / Ettlinger Schloss, Südostturm in 76275 Ettlingen (2012 - Burghard Lohrum)
Abbildungsnachweis
Ansicht / Ettlinger Schloss, Südostturm in 76275 Ettlingen (2012 - Burghard Lohrum)

Zugeordnete Dokumentationen

  • Bauaufnahme und Dendrodatierung

Beschreibung

Umgebung, Lage:
Der Turm steht am äußeren, südöstlichen Eck der Vierflügelanlage.
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Stadt
Bauwerkstyp:
  • Residenz- und Hofhaltungsbauten
    • Schloss
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung):
Den baulichen Ausgangspunkt für den konstruktiven Aufbau der südöstlichen Turmbedachung bildet das oberste Deckengebälk des Turmes. Nach der Abzimmerung und Errichtung des Hauptdaches erfolgte der eigentliche Abbund der Turmbedachung. Die Formgebung der Haube ist im Zuge des aufsteigenden Kaiserstiels durch dessen konstruktive Ausführung in zwei voneinander getrennten Abschnitten unterteilt.
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
keine Angaben
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand):
keine Angaben
Bestand/Ausstattung:
keine Angaben

Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
keine Angaben
Konstruktion/Material:
Den baulichen Ausgangspunkt für den konstruktiven Aufbau der südöstlichen Turmbedachung bildet das oberste Deckengebälk des Turmes. In Nord-Süd-Richtung verlegt, besteht es aus sechs Balken. Alle Hölzer sind aus Nadelholz.
Das beschriebene Gebälk bindet in die Mauerkrone ein und bildet für das, den Turmgrundriss übergreifende Hauptdach des Südflügels die Gründungsebene. Dazu sind den nördlichen Deckenbalkenenden, zwei im Zuge der Südtraufe des Hauptdaches verlaufende Mauerhölzer in Eiche aufgelegt. Die Mauerhölzer verlaufen parallel zueinander und durchziehen den Turmgrundriss im nördlichen Drittel. An ihren östlichen Auflagerenden sind sie mit den Mauerhölzern des östlichen Dachabschlusses über ein Schwalbenschwanzblatt rechtwinklig verbunden. Sowohl auf den südlichen als auch auf den östlichen Mauerhölzern sind die unterschiedlich abgebundenen, aus Nadelhölzern bestehenden Dachbasishölzer des Hauptdaches aufgekämmt. Von West nach Ost handelt es sich um kurze Dachfußbalken, einen die gesamte Hauptdachbreite durchlaufenden Dachbalken sowie um die in unterschiedlichen Längen und Ausrichtungen verbauten Stichbalken. In die genannten Dachbasishölzer zapfen die verschiedenen Sparren des Hauptdaches. Im Einzelnen sind dies die Vollsparren im Zuge der Südtraufe, die südlichen und östlichen Schiftersparren sowie der Gradsparren. Alle aufgeführten Hölzer sind aus Nadelholz.
Nach der Abzimmerung und Errichtung des Hauptdaches erfolgte der eigentliche Abbund der Turmbedachung. Das konstruktive Auflager bilden, wie am Hauptdach, der Mauerkrone des Turmes aufgelegte Mauerhölzer. In diesem Fall nicht gedoppelt, sondern einfach ausgeführt, handelte es sich um sieben eichene Segmente, die mit waagerechten und vernagelten Blattstößen miteinander verbunden sind und segmentartig der äußeren Rundung des Turmes folgen. Mit den Mauerhölzern des Hauptdaches liegen sie einer gemeinsamen Ebene.
In einem zweiten Schritt wurde ein in Süd- Nord- Richtung ausgerichteter Dachbalken verlegt. Dem südlichen Turmmauerholz und dem südlichen Mauerholz des Hauptdaches aufgekämmt, durchzieht er den halben Turmdurchmesser. Dem Dachbalken ist im rechten Winkel, im Turmzentrum ein zweiter, in West- Ostrichtung verlaufender Dachbalken mit halber Querschnittsstärke aufgeblattet. Doppelt solang wie der erste Dachbalken durchzieht er den gesamten Turmdurchmesser.
Im östlichen und westlichen Winkel der beiden Dachbalken ist jeweils ein Diagonalwechsel verbaut. Sie zapfen in die beiden Dachbalken und bilden in ihrer Funktion als Wechsel die Basis für jeweils vier, nach außen, in Richtung Mauerhölzer verlaufende Langstiche. Zwischen diesen Langstichen ist in Abstimmung mit der inneren Mauerrundung eine zweite Wechselfolge, bestehend aus Radialwechsel eingezapft. Analog zu den Diagonalwechseln bilden auch sie die konstruktive Basis für weitere Stiche, in diesem Fall Kurzstiche. Bis auf die eichenen Mauerhölzer sind alle anderen Bauhölzer aus Nadelholz.
Den Mauerhölzern aufgekämmt, zapfen sowohl die beiden Dachbalken als auch die unterschiedlich langen Stiche in eichene, der äußeren Turmrundung folgende Gesimsbalken. Mit den einzapfenden Hölzern vernagelt, beziehungsweise mittels Bauklammern verbunden, kragen die eichenen Gesimsbalken deutlich über das steinerne Gesims des Unterbaus hinaus. Das hölzerne Gesims besteht in der Regel aus kurzen, zwei Stichfelder begrenzende Segmente. An den Nahtstellen sind die Gesimshölzer hin und wieder mit Eisenklammern verbunden.
Sowohl die Abfolge der Gesimshölzer als auch die Anordnung der in sie zapfenden Hölzer ist wie die Wechselkette, durch die steigende Folge der römischen Zahlenreihe gekennzeichnet. Den Anfang bildet dabei das westliche Ende des durchlaufenden Dachbalkens. Nach Norden blickend, steigt die jeweilige Zahlenreihe von hier entgegen dem Uhrzeigersinn an. Über der aus Dachbalken, Wechsel und Stichbalken bestehenden Dachbasis ist das Traggerüst der Turmhaube abgezimmert. Es besteht aus dem im Schnittpunkt der beiden Dachbalken aufgezapften Kaiserstiel und den ihn in seiner Vertikalstellung in vier Richtungen fixierenden Streben. Der im Querschnitt achteckige Kaiserstiel ist aus Nadelholz und reicht noch heute bis in die Firstspitze. Aus Nadelholz sind auch die Streben, deren beidseitige Endverbindungen auf Druck ausgelegt sind. Am Kaiserstiel geschieht dies über Versatz und Zapfen, an den Dachbalken nur über Zapfen.
Die Formgebung der Haube ist im Zuge des aufsteigenden Kaiserstiels durch dessen konstruktive Ausführung in zwei voneinander getrennten Abschnitten unterteilt. So besitzt der Kaiserstiels im oberen Drittelspunkt umlaufende Ausnehmung. Die Ausnehmung bildet das Auflager für einen waagerechten Blockkranz, bestehend aus spitz zulaufenden und ca. 1m langen Vollhölzern. Die so gebildete Blockebene begrenzt einerseits den oberen Abschluss des unteren Haubenbereiches, während sich darüber knopfartig die Haubenspitze entwickelt.
Die tragenden Konstruktionsteile des unteren Haubenbereiches bilden insgesamt 36 Sparren, von denen 24 bis zur Turmbasis reichen. Mit ihren unteren Enden zapfen 21 Sparren in die oben erwähnten Stich- oder Dachbalken, während die Zapfen der oberen Enden in die Ausnehmung an den Unterseiten der Blockkranzhölzer greifen. Damit dies mit dem verkleinerten Radius auch praktisch funktioniert, sind die Sparrenquerschnitte nach innen konisch zugeschnitten.
Zur Unterstützung der oberen Sparrenenden dient ein Kantholzkranz, bestehend aus der Abfolge von kurzen, offensichtlich wiederverwendeten Hölzern. Gesichert werden sie durch kurze Stützhölzer, welche vom Kaiserstiel aufsteigend die Kanthölzer unterseitig überlappen.
Enden die Sparrenfüße auf den abgewalmten Dachflächen des Hauptdaches, so stehen sie mehrheitlich stumpf auf Brettern, welche den Schiftersparren aufgenagelt waren. Auf den Oberseiten aller Sparren lagern die für die Haubengestalt formgebenden Spanten. Mittig aufgesetzt sind sie außerhalb der Walmflächen aus drei, ca. 6,5 bis 7cm starken Brettern zusammengesetzt. Im unteren Abschnitt stehen die Spanten stumpf auf den eichenen Gesimshölzern, wobei ihre Lage durch geschmiedete Nägel fixiert wurde. Mit dem folgenden Spantenabschnitt bilden sie einen stumpfen Stoß, der einseitig durch eine aufgenagelte Brettlasche gesichert ist. Im weiteren Verlauf liegt der Stoß mit dem letzten Spanten im Bereich der größten Ausbauchung und wird durch ein zangenartiges Distanzholz gesichert. Dazu zapft das Distanzholz in den Sparren und umgreift mit dem gegenüber liegenden Ende die Nahtstelle der Spanten. Der zapfenartige Abschluß der oberen Spanten mündet, analog zu den Sparren, über die gleich Ausnehmung, im Blockkranz.
Die fächerartige Anordnung der 36 Spanten, Distanz- und Blockkranzhölzer wurde durch das römische Zahlensystem gekennzeichnet, wobei die Abfolge der Zahlenreihe bei nördlicher Blickrichtung entgegen dem Uhrzeigersinn verläuft.
Im Vergleich zum unteren Haubenbereich besitzt der obere Haubenbereich keine Sparren. Hier sind es allein die Spanten, die sowohl die Form als auch die Konstruktion vorgeben. Wie schon erwähnt, bildet der Blockkranz die Auflagerebene. Ihm sind, entlang dem äußeren Radius fünf eichene Segmenthölzer aufgelegt. Ausladend profiliert bilden sie gegenüber dem Blockkranz einen Tropfüberstand aus, wobei die Segmenthölzer dem Blockkranz lose aufliegen. Lediglich ihre Lage wurde mehrfach gesichert. So sind die stumpf ausgeführten Nahtstellen der einzelnen Segmenthölzer durch Bauklammern fixiert. Eine weitere Sicherung der Segmenthölzer erfolgte durch aufgeblattete Distanzhölzer, so dass im Verbund aller Sicherungen untereinander eine weitgehend steife Scheibe erreicht wurde.
Ihr wurde, wieder entlang dem äußeren Radius, ein weiterer Eichenkranz aufgelegt. Wie schon zuvor bildet auch dieser Eichenkranz einen Tropfüberstand aus.
Der etwa 7cm starke und 18cm breite Eichenkranz stellt das Widerlager für die darüber aufgestellten Spanten. Dazu übergreifen die unteren Spantenenden den Eichenkranz mit einem Rückversatz und reichen mit ihren oberen, konisch zugeschnittenen Enden in eine rundum verlaufende Ausnehmung am Kaiserstiel. Im angetroffenen Zustand reicht dieser über den oberen Haubenbereich hinaus und bildet die Basis für die blecherne Firstbekrönung.
Auf den formgebenden Spanten war eine flächige Brettverschalung aufgenagelt. Im angetroffenen Zustand nur noch partiell erhalten, beziehungsweise punktuell erneuert, besaßen sie eine Stärke von knapp 2 cm. Offensichtlich grün verarbeitet, überdeckten sie bis zu 2 Feldern, wobei sie dabei im Spannungsbereich über den Spanten oftmals angebrochen waren. Der Übergang von Brett zu Brett war durch Abkantungen der Brettkanten auffällig sorgfältig angepasst.
Auf den Brettern war nach Aussage der vor Ort tätigen Zimmerleute eine Schieferdeckung aufgenagelt. Als Ersatz für die alten Bretter wurde eine neue Brettverschalung mit sich übergreifenden Auflagerflächen aufgenagelt.

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