Fachwerkhaus
Datenbestand: Bauforschung
Objektdaten
| Straße: | Kirchengraben |
| Hausnummer: | 2 |
| Postleitzahl: | 72458 |
| Stadt-Teilort: | Albstadt-Ebingen |
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| Regierungsbezirk: | Tübingen |
| Kreis: | Zollernalbkreis (Landkreis) |
| Wohnplatzschlüssel: | 8417079013 |
| Flurstücknummer: | keine |
| Historischer Straßenname: | keiner |
| Historische Gebäudenummer: | keine |
| Lage des Wohnplatzes: |
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Kartenansicht (OpenStreetMaps)
Holzhaus (abgegangen), Schmiechastraße 74 (72461 Ebingen)
Bauphasen
Das Gebäude "Kirchgraben 2" bildet den Überrest der einst auch die östliche Nachbarparzelle einnehmenden Ebinger Klause. Aufgrund der Ergebnisse ist davon auszugehen, dass das über 17 m lange und über 11 m breite Ursprungsgebäude 1427 als Klause errichtet wurde, womit dem Gebäude eine außerordentliche Stellung im südwestdeutschen Hausbau zukommt. Der klösterlichen Sondernutzung entspricht eine Reihe von Besonderheiten im Gebäude. Dazu gehört vorneweg die leider nur noch für das Obergeschoss einigermaßen rekonstruierbare Raumgliederung mit mindestens einer auffallend großen, sich über drei Querzonen erstreckenden Stube, die vielleicht als eine Art „Winterrefektorium" anzusprechen ist, und einer zumindest teilweisen Erschließung durch einen Mittellängsflur und vermutlich mehrere davon abzweigenden Querflure. Eine hohe architekturgeschichtliche Bedeutung kommt dem Gebäude wegen seiner Stuhlgerüste im 1. und 2. DG zu, wo sich stehende und liegende Stühle abwechseln. Die liegenden Stühle gehören dabei zu den frühesten Nachweisen im Bundesgebiet. Nach dem Ende der Nutzung als Behausung einer religiösen Gemeinschaft und dem Verkauf an einen Ebinger Bürger 1609 ist von einer Zweiteilung des Ursprungsgebäudes in die Gebäudeteile Nr. 2 und Nr. 4 auszugehen.
Während der westliche Hausteil zunächst nur geringfügig verändert wurde, musste der östliche Hausteil nach Osten erweitert und auch räumlich umstrukturiert werden. Davon zeugt im Westteil der ehemaligen Klause die Verkleinerung der Stube mit darüber angelegter Stubenkammer, für die das Dachwerk an der Nordseite partiell leicht angehoben wurde. Gravierendere Umbauten fanden dann im frühen 19. Jahrhundert (1801 (i)/um 1800-1820) statt, als der östliche Hausteil nach Süden erweitert wurde und im westlichen Hausteil durch die Einrichtung einer Gastwirtschaft das EG und OG stark verändert und durch Errichtung eines kleinen westlichen Vorbaus auch räumlich vergrößert wurde.
Damals verlor das Gebäude sein mittelalterliches Erscheinungsbild, da im Westen der prägende Halbwalm des Ursprungsdachwerkes durch einen Steilgiebel ersetzt und auch die einst sicher markante Vorkragung des OG weitgehend aufgelöst wurde. Um 1910 wurde schließlich der gesamte östliche Hausteil durch einen Neubau ersetzt. Die letzte gravierende Veränderung des übrig gebliebenen westlichen Hausteils brachte die Auflösung der Gastwirtschaft und die Einrichtung eines Ladengeschäftes und die damit verbundene Anlage von Schaufenstern mit sich.
Trotz allen Veränderungen ist im Kern noch die ursprüngliche Klause vorhanden und zumindest teilweise in ihrer Struktur nachvollziehbar, so dass das Gebäude zu den wichtigsten historischen Bauten Alt-Ebingens zu rechnen ist.
(1420)
Der Stadtgeschichte von Walter Stettner ist zu entnehmen, dass die Prediger (Dominikaner) aus Rottweil 1404 zunächst einen Garten und 1420 schließlich Haus und Hofreite, der Prediger Herberge genannt, an die Ebinger Klausnerinnen verkauften. Die auch „Sammlung" genannte Klause, ein Zusammenschluss frommer Frauen, die nach der dritten Regel des heiligen Franziskus ohne Gelübde zusammenlebten, wurde der Legende nach 1344 gegründet. Mit "Agnes der Deckin" ist 1390 erstmals eine Schwester der „Sammlung" namentlich genannt. 1403 wurden Haus und Scheune der Klausnerinnen von Schultheiß und Bürgern der Stadt Ebingen von Abgaben und Pflichten befreit.
- Siedlung
- Stadt
- Sakralbauten
- Klausur-, Wohngebäude
(1426 - 1427)
Errichtung der Klause
Demnach beweist sich das untersuchte Gebäude als der Überrest (westliche drei Querzonen) der 1427 neu erbauten Klause, die bis 1609 Bestand haben sollte. Damit handelt es sich um eines der ganz selten überlieferten Beispiele einer speziell zu diesem Zweck neu erbauten „Sammlung". Wie unten aufgezeigt werden soll, ist diese Funktion des Gebäudes an seiner ursprünglichen Konstruktion ablesbar.
- Dachgeschoss(e)
- Sakralbauten
- Klausur-, Wohngebäude
(1609)
Nach Aussage von historischen Fotografien, welche den später abgebrochenen westlichen
Hausteil (Kirchgraben 4) noch zeigen, scheint das Gebäude nach Osten nachträglich erweitert worden zu sein.
Ob diese Veränderung bereits in Zusammenhang mit der Aufteilung des Ursprungsbaus in zwei Gebäudeteile steht, ist nicht zu entscheiden, wenngleich sehr wahrscheinlich. Zu vermuten ist, dass die Aufteilung des Hauses nach dem Verkauf der „Klause mit Haus, Scheuer, Keller, Garten und alles an und beieinander in der oberen Vorstadt zwischen den Kirchgäßlein und Hans Reichfußen
Garten" an Martin Krimmel im Jahre 1609 erfolgt ist.
(1801)
Um 1800/20 (1801 (i?)) erfolgte die Umnutzung des westlichen Hausteils (Kirchgraben 2) zur Gastwirtschaft. Dabei entstand der westliche Vorbau und das Obergeschoss wurde nach partieller Anhebung des Fußbodenniveaus neu gegliedert. Seitdem bestehen im Obergeschoss beträchtliche Niveauunterschiede zwischen Flur und den westlich und nördlich anschließenden Räumen. Die westlichen und nördlichen Außenwände wurden im Zuge dieses Umbaus nahezu vollständig ersetzt. Spätestens in diesem Zusammenhang wurde auch der mittelalterliche Halbwalm aufgelöst und durch eine Giebelwand mit malerischem Pultdach über dem Vorbau ersetzt.
Datierend für den Umbau könnte die im akzentuierten Mittelfeld einer damals neu in der kleinen Nordoststube von Kirchgraben 2 eingebauten 16feldrigen Täferdecke sichtbare Jahreszahl 1801 (i) sein.
(1801 - 1890)
(1906 - 1910)
(1910)
Als das östliche Teilgebäude um/nach 1910 abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt wurde, musste auch der untersuchte Gebäudeteil in seinen östlichen Teilen erneuert werden. Zu diesem Umbau gehören die vollständig massiv in Backsteinmauerwerk aufgeführte Ostseite sowie einzelne zusätzlich eingezogene Trennwände im Erd- und Obergeschoss.
(1950)
Bei dem Umbau des Hauses zu einem Schreibmaschinen- und Schreibwarenladen durch den Ebinger Architekten Eugen Wissmann wurde im EG die bis in die Nachkriegszeit bestehende Gaststube aufgelöst und die nördliche Außenfront des EG zu einer Schaufensterfassade umgestaltet. Damals dürfte das Gebäude zum letztem Mal neu verputzt worden sein und ist in diesem Zustand heute noch erhalten.
Zugeordnete Dokumentationen
- Dendrochronologische Untersuchung
- Bauhistorische Untersuchung
Beschreibung
Das traufständig errichtete Gebäude bildet den westlichen Abschluss der südlichen Häuserzeile an der außerhalb der historischen Stadtmauern angelegten Straße.
- Siedlung
- Stadt
- Wohnbauten
- Wohn- und Geschäftshaus
Unter dem westlichen Gebäudeteil Kirchgraben 2 befindet sich eine zweiteilige Kelleranlage.
Zonierung:
Konstruktionen
- Dachgerüst Grundsystem
- Sparrendach, q. geb. mit liegendem Stuhl
- Sparrendach, q. geb. mit stehendem Stuhl


