Datenbank Bauforschung/Restaurierung

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Wehrmauer

ID: 187891058311  /  Datum: 28.04.2023
Datenbestand: Bauforschung
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Objektdaten

Straße: Muggensturmstraße
Hausnummer: 25
Postleitzahl: 79206
Stadt-Teilort: Breisach

Regierungsbezirk: Freiburg
Kreis: Breisgau-Hochschwarzwald (Landkreis)
Wohnplatzschlüssel: 8315015003
Flurstücknummer: keine
Historischer Straßenname: keiner
Historische Gebäudenummer: keine
Lage des Wohnplatzes: Lage des Wohnplatzes
Geo-Koordinaten: 48,0307° nördliche Breite, 7,5810° östliche Länge

Kartenansicht (OpenStreetMaps)

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Objektbeziehungen

keine

Umbauzuordnung

keine

Weitere Objekte an diesem Wohnplatz

Bauphasen

1. Bauphase:
(1300 - 1325)
Errichtung des linksseitigen Endes des Mauerzuges als Trennmauer zwischen den nördlich und südlich davon gelegenen Mauerabschnitten
Betroffene Gebäudeteile:
keine
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Stadt
Bauwerkstyp:
  • Befestigungs- und Verteidigungsanlagen
    • Wehrmauer

2. Bauphase:
(1633 - 1638)
Errichtung des rechtsseitigen Mauerzuges um 1633 oder kurz vor 1638, wohl orthogonal zur mittelalterlichen Stadtmauer
Betroffene Gebäudeteile:
keine
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Stadt
Bauwerkstyp:
  • Befestigungs- und Verteidigungsanlagen
    • Wehrmauer

Besitzer:in

keine Angaben

Fotos

Abbildungsnachweis
Ansicht des Mauerstückes von Osten / Wehrmauer in 79206 Breisach, Breisach am Rhein (03.2019 - Stefan King)

Zugeordnete Dokumentationen

  • Schadensgutachten
  • Anmerkungen zur Baugeschichte

Beschreibung

Umgebung, Lage:
Der untersuchte Mauerzug befindet sich am Fuße des Breisacher Münsterberges, westlich der Muggensturmstraße und in verschwenkter Ausrichtung zu derselben.
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Stadt
Bauwerkstyp:
  • Befestigungs- und Verteidigungsanlagen
    • Wehrmauer
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung):
Der Mauerzug hat heute die Funktion einer Stützmauer zwischen dem flachen Niveau auf Höhe der Straße im Vorbereich und der hochliegenden, an den Hangfuß laufenden Fläche dahinter. Die sichtbare Mauerfläche von 27 m Länge besteht überwiegend aus Backsteinmauerwerk, das aus der Bauzeit als Wehrmauer herrührt und vom Außenniveau ausgehend eine Höhe von etwa 5,4 m besitzt.
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
Mauerfläche
Der Mauerzug hat heute die Funktion einer Stützmauer zwischen dem flachen Niveau auf Höhe der Straße im Vorbereich und der hochliegenden, an den Hangfuß laufenden Fläche dahinter. Die sichtbare Mauerfläche von 27 m Länge besteht überwiegend aus Backsteinmauerwerk, das aus der Bauzeit als Wehrmauer herrührt und vom Außenniveau ausgehend eine Höhe von etwa 5,4 m besitzt.

Querschnitt
Im Bereich der neuen Treppe wurde die Mauer auf der Rückseite freigestellt, die dort aus Bruchsteinmauerwerk, durchsetzt mit vereinzelten Backsteinen besteht. In den Räumlichkeiten unterhalb kann anhand von Befunden im Kellerraum die zur Außenseite gelegene Wand des schmalen Gangs als Rückseite der Mauer interpretiert werden, die ebenfalls auch Bruchsteinmauerwerk beschaffen ist. Insgesamt weist die Innenseite – im Unterschied zur außenseitigen Böschung – eine ungefähr vertikale Flucht auf. Dies erwies sich auch anhand von Kernbohrungen, die 2015 durchgeführt wurden.
Wo innerhalb der Mauerstärke der Übergang zwischen der backsteinernen Außenschale und dem Bruchsteinmauerwerk liegt, kann innerhalb der Kernbohrungslöcher zwischen 14 und 37 cm gemessen werden, wonach es sich nur um eine Außenschale handelt, die mit dem Mauerkern gut verzahnt ist.
Entlang des schmalen Gangs und an beiden Stirnwänden des Kellerraums kann die Mauerstärke gemessen werden, wonach sie von Norden mit 220 cm bei 6,3 m nach der Längenskala auf 190 cm bei 12 m abnimmt. Beim linken unteren Stichbogen beträgt sie nur noch 170 cm. Auch im ausgegrabenen Bereich oben ist die verschwenkte Ausrichtung der rückseitigen Mauerflucht zu beobachten.
Rückseitig vorstehende Zungenmauern, wie sie bei Festungsmauern häufig anzutreffen sind und wohl wie rückseitige Strebepfeiler wirken sollten – so wie an einem Querschnittsmodell im Breisacher Stadtmuseum dargestellt –, konnten am einsehbaren Bestand nicht nachgewiesen werden.

Gründung der Mauer
Üblicherweise ist bei einer Wehrmauer davon auszugehen, dass ihr ein Wehrgraben vorgelagert war, der heute komplett aufgefüllt ist. Unabhängig davon könnte das Gelände ein Stück angewachsen sein. Doch die Fotografien von Tiefenschürfungen, die zur Verfügung gestellt wurden, lassen eine Fortsetzung des Backsteinverbands zumindest nicht erkennen. Daher ist ungewiss, in welcher Tiefe das Mauerwerk gründet.

Oberer Mauerabschluss
Das obere Ende des bauzeitlichen Backsteinverbands liegt heute recht genau auf Höhe des dahinterliegenden Geländeniveaus. Dieses könnte der früheren Plattform entsprechen, die Mauer könnte aber auch noch höher gereicht haben. Der ursprüngliche obere Abschluss der Wehrmauer ist an keiner Stelle erhalten und ließ sich auch nicht mit Hilfe benachbarter Mauerstrukturen nachvollziehen. Der hoch in der Wand liegende Stichbogen von 66 cm Höhe misst in der Mitte nur 44 cm, weil sein Scheitel gekappt worden ist.

Rechtsseitiges Mauerende
Am rechtsseitigen Ende der Mauer konzentrieren sich die Werksteine. Dieser Anschluss fällt offensichtlich zentimetergenau mit einem exponierten Knick der in Wehrmauer zusammen. Im höheren Bereich weist eine größere Anzahl von Tuffsteinen eine Sichtseite mit leicht erhabenem Spiegel auf. Die Knickkante selbst war dekorativ mit kleinformatigen Buckelquadern mit Randschlag im Wechsel mit glatten Quadern akzentuiert. Da das Wohngebäude haarscharf an der Knickkante anschließt, ist der Knickwinkel nicht messbar. Lediglich ganz unten kann ein Winkel abgenommen, wo allerdings die Flanken des Werksteins nicht eindeutig zu erkennen sind. Die Messung ergab einen Winkel der Spitze von rund 148 Grad, was genau dem bei der Sektkellerei vorhandenen Winkel entspricht.

Linksseitiges Mauerende
Links endet der Mauerverband mit einer leicht nach außen vorkragenden und eine schmale Stufung umfassenden Kante vor den Resten eines Bruchsteinmauerwerks. Wie es aussieht, stieß die Mauer gegen eine quer dazu verlaufende und ebenfalls leichte geböschte Mauer, die annähernd abgängig ist. Die Reste treten aber ein Stück vor die Mauerflucht, was entweder von besagter querlaufender Mauer oder zumindest von einem deutlichen Versatz herrührt. Gegenüber dem abgängigen Mauerzug leicht nach Süden versetzt zieht sich eine Mauer den gesamten Hang hinauf bis knapp vor die Nordostecke des Geländes auf dem Plateau.

Stichbögen und Räumlichkeiten
Innerhalb des Mauerverbands finden sich zwei Stichbögen nebeneinander wenig über dem äußeren Bodenniveau und weiter rechts ein dritter hoch in der Wand. Sofern vor der Mauer ein Wehrgraben verlief bzw. das Geländeniveau angewachsen ist, lagen auch die unteren beiden Bögen einst höher in der Wand. Die Mauerhöhe der Bogenläufe unterscheidet sich. Am schmalsten fällt der Bogen rechts unten mit 43 cm aus, was einem Läufer und einem Binder entspricht, der Bogen links unten misst 58 cm und damit die Länger zweier Läufer bzw. einem Läufer und zweier Binder, und schließlich hat der hochliegende Bogen, der aus dünnen und dicken Backsteinformaten gefügt ist, eine Höhe von 66 cm, zwei Läufern und einem Binder entsprechend.
Unterhalb des hochliegenden Bogens läuft der Mauerverband ungebrochen durch, sodass der gesamte Bogenlauf ohne eine Öffnung darin eingebettet ist. Im Unterschied dazu sind die beiden unteren Stichbögen über Öffnungen gespannt, doch vermitteln sie den Eindruck, dass auch sie einst untermauert waren. Zudem fällt auf, dass diese beiden Bögen etwas unförmig geraten sind. Alle drei Stichbögen finden eine Fortsetzung als Wölbungen über die gesamte Mauertiefe bis zur Rückseite.
Hinter der Mauerflucht liegen ein kleiner Raum über gedrungen rechteckiger Grundfläche und ein nach Süden abgehender parallel verlaufender schmaler Gang. Beides ist gewölbt mit dem Scheitel parallel zur Mauerflucht, der Raum in korbbogiger und der Gang in rundbogiger Form. Die Gewölbe sind aus Backsteinen und die Wände aus Bruchsteinen gemauert. Der Gang besteht aus zwei Abschnitten, markiert durch eine starke Stufung im Gewölbe, indem der Scheitel des südlichen Abschnitts tiefer liegt. Die Eingangstür gibt sich unter anderem mit Putzüberzug an Wandungen und Wölbung als nachträgliche Zufügung zu erkennen.
Offenbar diente die hochliegende Wölbung in gewisser Weise als Abfangung für den darunterliegenden Raum, doch nicht für die darüberliegende Last, sondern er hätte wohl bei Fall einer kriegerischen Beschießung in Funktion treten sollen (Breschbogen, vgl. Situation bei der Mauer an der Sektkellerei).
Von Kasematten im Bereich des untersuchten Mauerzugs ist allerdings nichts bekannt.
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand):
Als die Wehrmauer durch den Bau des mächtigen Bastionsgürtels funktionslos und entfestigt und der Graben – sofern vorhanden gewesen – zugeschüttet worden war, konnten Gebäude an die Mauer angebaut werden. Davon rühren zahlreiche Veränderungen wie Wandansätze, Balkenlöcher, Wandputze und in die Vertikale gebrachte Wandflächen her. Zudem wurde die Mauer mehrfach erhöht, jedoch mit sehr viel geringerer Mauerstärke zwischen 43 und 24 cm. Die Erhöhungen entsprechen genau jenen Mauerteilen, die über das rückwärtige Gelände aufragen.
2015/2016 wurde das nördlich anstoßende Wohnhaus saniert und eine seitliche Freitreppe errichtet, die Zugang zum hochliegenden Bereich hinter der Mauer bietet. Dafür wurde eine Lücke innerhalb der dünneren Aufmauerung geschaffen und auf der Rückseite das Gelände etwas abgetieft, womit das auffällig grüne Ablaufrohr in Zusammenhang steht.
Bestand/Ausstattung:
keine Angaben

Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
  • Steinbau Mauerwerk
    • Backstein
Konstruktion/Material:
Verwendet wurden Backsteine von gelber und hellroter Färbung und überwiegend dünnen Formats von 27-29/ 13,5-14/ 4,5 cm und einem geringeren Anteil eines dickeren Formats von 27-30/ 14-15/ 6 cm. Ein ganz dünnes Format 28-29/ 14/ 3 cm findet sich nur unten in der Mauer links des linken unteren Stichbogens und hochliegend im Bereich über dem rechten unteren Stichbogen. Die Fugen sind ungewöhnlich hoch ausgebildet und der Mörtel weist einen groben Zuschlag auf.
Die Backsteine sind in einem Verband aus Läufern und Bindern verlegt, jedoch nur gelegentlich in regelmäßigem Wechsel, häufiger mit mehreren Läufern oder Bindern in Reihe. Auf etwas mehr als der linken Hälfte ab 11 m auf der Längenskala sind die obersten 70 bis 80 cm mehrheitlich aus dickeren Formaten gefügt, soweit es sich trotz aufliegenden jüngeren Putzes erkennen lässt. Zwischen 20,3 und 21,2 m auf der Längenskala sind hoch in der Wand drei Backsteine in gestellter Lage nebeneinander eingesetzt, die ein etwas größeres Format von 31/13/-?- cm besitzen. Es war nicht zu erkennen, worauf damit reagiert oder was damit bezweckt worden war. Rüstlöcher sind im Mauerwerk nicht zu finden.
In den Backsteinverband sind einzelne Werksteine eingestreut, die meisten davon aus vulkanischem Tuff, darunter einige mit leicht erhabenem Spiegel auf der Sichtseite. Wenige sind aus Sandstein beschaffen, unter denen sich wiederum einige mit Brandrötung finden. Es ließ sich jedoch nicht erkennen, ob die Rötung an Ort und Stelle durch Brandeinwirkung entstanden war, oder ob die Steine von einer Brandruine hierher verbracht worden waren. Die im Feuer entstanden Back- und Tuffsteine zeigen ein solches Merkmal nicht.
Die Werksteine häufen sich am rechtsseitigen Ende der Mauer, doch davon abgesehen lässt die Verteilung im übrigen Mauerwerk kein Schema erkennen. Innerhalb des untersuchten Mauerzugs ist ebenfalls eine Zäsur (Vgl. Mauerabschnitt bei der Sektkellerei Geldermann) zu entdecken. Bei etwa 11 m auf der Längenskala fallen kurze vertikale Stoßfugen mit einer Höhe von bis zu sechs Backsteinlagen auf, die unten an einem Werkstein ihren Ausgang nehmen. Sie beschränken sich auf die obere Hälfte der Wand, da der Bereich unterhalb verputzt ist und nichts erkennen lässt. Ihre gestaffelte Anordnung deutet eine Bauabfolge von rechts nach links an. Sie bewirken eine Unterbrechung des Mauergefüges, um die Notwendigkeit einer exakten Abstimmung der Mauerlagen des nächsten Abschnitts zu umgehen. Bei einigen Werksteinen handelt es sich hingegen um Spolien.

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