Datenbank Bauforschung/Restaurierung

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Stiegenhaus

ID: 194189743111  /  Datum: 05.06.2018
Datenbestand: Bauforschung
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Objektdaten

Straße: Dorfstraße
Hausnummer: 14
Postleitzahl: 72827
Stadt-Teilort: Wannweil

Regierungsbezirk: Tübingen
Kreis: Reutlingen (Landkreis)
Wohnplatzschlüssel: 8415080001
Flurstücknummer: keine
Historischer Straßenname: keiner
Historische Gebäudenummer: keine
Lage des Wohnplatzes: Lage des Wohnplatzes

Kartenansicht (OpenStreetMaps)

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Objektbeziehungen

keine

Umbauzuordnung

keine

Weitere Objekte an diesem Wohnplatz

Johanneskirche (72827 Wannweil, Kirchgasse 5)

Bauphasen

Kurzbeschreibung der Bau-/Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:

Das untersuchte Gebäude Dorfstraße 14 stellt mit seinem frühneuzeitlichen Fachwerk einen besonderen baugeschichtlichen Wert dar.
Der unter Putz erhaltene Schaugiebel mit geschwungenen Ständerstreben und Feuerbock im Giebeldreieck und das in weiten Teilen erhaltene Gefüge verdeutlichen in anschaulicher Weise den Übergang vom mittelalterlichen zum neuzeitlichen Fachwerk. Das stockwerksweise abgebundene Fachwerkgerüst war ursprünglich auch im Erdgeschoss zumindest für die Schau- und Hofseite gesichert in Fachwerk ausgeführt. Auch die gut nachvollziehbare, ursprüngliche Raumstruktur mit der vollständig erhaltenen, bauzeitlichen Riemchendecke in der südwestlichen Stube verdienen besondere Beachtung.
Als nachfolgende Veränderung besonders erwähnenswert ist auch die zuerst nur einläufig angelegte, reizvolle Außentreppe mit Podest und Brettbalustern aus dem 18. Jahrhundert, die das Gebäude schon von weitem als regionaltypisches Stiegenhaus hervorhebt. Sozialgeschichtlich hochinteressant ist auch die Tatsache, dass das Gebäude von Anfang an als Doppelwohnhaus diente, wie die Befunde zur ursprünglichen Raumdisposition des Obergeschossen eindeutig belegen.
Diese Wohnform spiegelt die gesellschaftlichen Zusammenhänge wider, die im Herzogtum Württemberg schon im 16. Jahrhundert dazu führten, dass sich mehrere Erben Haus, Hof und Ackerflächen untereinander aufteilten.
Die in Württemberg verbreitete Sitte der Realteilung, die zu immer kleineren und unrentableren Anbauflächen führte, war schließlich infolge der ansteigenden Bevölkerungszahl mitverantwortlich für die Hungersnöte und Auswanderungswellen des 18. und 19. Jahrhunderts.


1. Bauphase:
(1566)
Die Auswertung der Bohrproben ergab dabei einheitliche Fälldaten der verwendeten Eichenhölzer im Winter 1565/66 (d). Geht man von einer allgemein saftfrischen Verarbeitung von Eichenhölzern aus, dann erfolgte die Abzimmerung des Gefüges vermutlich schon im Jahre 1566.
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Erdgeschoss
  • Obergeschoss(e)
  • Dachgeschoss(e)
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Dorf

2. Bauphase:
(1850)
Die Hölzer der mittigen Fachwerkwand, die das 1. Dachgeschoss in zwei Hälften teilt, wurden im Winter 1849/50 und im Sommer 1850 gefällt, so dass der Einzug der Wand vermutlich noch im Laufe des Jahres 1850 (d) vorgenommen wurde.
Betroffene Gebäudeteile:
keine

Besitzer:in

keine Angaben

Fotos

Abbildungsnachweis
Nordansicht Wohnhaus und Scheune / Stiegenhaus in 72827 Wannweil (2003 - Marstaller Tilmann)

Zugeordnete Dokumentationen

  • Bauhistorische Kurzdokumentation

Beschreibung

Umgebung, Lage:
Giebelständig zur Dorfstraße stehend.
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Dorf
Bauwerkstyp:
  • Wohnbauten
    • Wohn- und Wirtschaftsgebäude
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung):
Das untersuchte Gebäude ist ein zweigeschossiges Gebäude mit einem zweigeschossigen Satteldach.
Das sogenannte Stiegenhaus besitzt auf seiner nordwestlichen Traufseite zur Erschließung des Obergeschosses eine zweiarmige, überdachte Außentreppe, die im Brüstungsfeld des Podestes mit reizvollen, barocken Brettbalustern verziert ist.
Im 19. Jahrhundert wurde der rechteckige Baukörper des Hauptgebäudes auf der südöstlichen Giebelseite um einen kleinen, zweigeschossigen Anbau mit Satteldach in gleicher Firstrichtung erweitert. Es wird auf der Südostseite über eine einläufige, überdachte Außentreppe erschlossen, in der im Obergeschoss ein Plumpsklo untergebracht ist.
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
Das heute massiv gemauerte Erdgeschoss diente allein ökonomischen Zwecken und beherbergte vormals Stallungen und Lagerräume, Unter dem nordwestlichen Eckbereich befindet sich ein Gewölbekeller mit Umfassungsmauern und Tonnengewölbe aus Hau- und Bruchstein. Das in Fachwerk errichtete Wohnobergeschoss nimmt zwei getrennte Wohneinheiten mit jeweils eigenem Eingang in sich auf. Auf der südöstlichen Traufseite befindet sich ein Abtrittserker.
Im 19. Jahrhundert wurde der rechteckige Baukörper des Hauptgebäudes auf der südöstlichen Giebelseite um einen kleinen zweigeschossigen Anbau mit Satteldach in gleicher
Firstrichtung erweitert. Es wird auf der Südostseite über eine einläufige, überdachte Außentreppe erschlossen, in der im Obergeschoss ein Plumpsklo untergebracht ist. Das Erdgeschoss ist mit einem Gewölbekeller und einem Kleinviehstall ausgestattet. Im Obergeschoss befindet sich eine dreizonige Wohnung mit einem schmalen Mittelflur, einer südlich gelegenen Stube mit einfachem Brüstungstäfer und einer nördlichen Kammer. Der Dachraum ist nicht ausgebaut.
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand):
keine Angaben
Bestand/Ausstattung:
keine Angaben

Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
  • Dachform
    • Satteldach
  • Holzgerüstbau
    • allgemein
Konstruktion/Material:
Die in Eichenholz abgezimmerte Holzkonstruktion des frühneuzeitlichen Gebäudes ist im
Dach größtenteils erhalten geblieben. So lässt sich von dort ausgehend und zusammen mit dem weitgehend noch nachvollziehbaren Innengerüst des Obergeschosses ein zweischiffig und dreizoniges Achssystem ermitteln, das mit großer Wahrscheinlichkeit auch die Innendisposition des Erdgeschosses bestimmte. Das Fachwerkgerüst ist als reine Stockwerkskonstruktion angelegt. Wie die Dachgeschosse kragte auch das Obergeschoss ursprünglich auf der Schauseite leicht vor.
Als ursprüngliche Wandbildung konnte für die Außen- und Innenwände des Erdgeschosses ein Ständerfachwerk mit einfacher Ausriegelung nachgewiesen werden. Die Aussteifung erfolgte über Wandstreben, die in Wandrähm und Schwelle eingezapft waren. Das Fachwerkgerüst im Obergeschoss setzte sich ursprünglich aus 12 Bundständern zusammen, mit etwa mittig in die Wandfelder gestellten Wandständern. Die Schwellen des Obergeschosses waren dabei als Schwellriegel zwischen die Bundständer gezapft.
Für das Obergeschoss konnte in den Außenfluchten eine zweiriegelige Wandbildung mit Bruchsteinausfachung nachgewiesen werden. Auch die erhaltenen, bauzeitlichen Innenwände sind zweifach ausgeriegelt, die Gefache sind mit Bruchstein gefüllt.
Im Dachgeschoss zeigen die Giebelfelder eine zweifache Ausriegelung mit Bruchsteinausfachung. Die Aussteifung erfolgt im Schaugiebel durch geschwungene Fußstreben, im rückwärtigen Giebel durch Wandstreben. Die inneren Wandachsen sind dagegen nur einfach verriegelt und weisen weitgehend erhaltene Lehmflechtwerkfüllungen auf. Die Stockwerksschwellen sind dabei als Schwellriegel zwischen die mittigen Stuhlständer gezapft. Der Aussteifung dienen in Schwelle und Rähm gezapfte Wandstreben.

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