Hohes Haus (Schwäbisch Hall)

Datenbank Bauforschung/Restaurierung

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Ehem. Barfüßerkloster, Friedrich-List-Gymnasium

ID: 138216871711  /  Datum: 19.06.2026
Datenbestand: Bauforschung
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Objektdaten

Straße: Kanzleistraße
Hausnummer: 28
Postleitzahl: 72764
Stadt-Teilort: Reutlingen

Regierungsbezirk: Tübingen
Kreis: Reutlingen (Landkreis)
Wohnplatzschlüssel: 8415061015
Flurstücknummer: keine
Historischer Straßenname: keiner
Historische Gebäudenummer: keine
Lage des Wohnplatzes: Lage des Wohnplatzes

Kartenansicht (OpenStreetMaps)

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Objektbeziehungen

keine

Umbauzuordnung

keine

Weitere Objekte an diesem Wohnplatz

Bauphasen

Kurzbeschreibung der Bau-/Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:

Der Gebäudekomplex des Friedrich-List-Gymnasiums befindet sich auf dem Areal des 1537 im Zuge der Reformation aufgelösten Barfüßerklosters.
Der Analyse nach wird deutlich, dass sich der Gebäudekomplex aus drei konsruktiven Einheiten zusammensetzt, die über alle Nutzungsebenen hinweg aufeinander Bezug nehmen und somit lediglich einzelne Bauabschnitte innerhalb des gewaltigen Gesamtprojektes markieren. Sie werden im Folgenden in Ledergrabenflügel (= Südwestflügel), Hauptflügel und Kanzleiplatzflügel (= Nordostflügel) unterschieden.
Gestützt werden die Befundbeobachtungen durch die auffallend zahlreichen Bauinschriften an den Stein- und Holzbauteilen sowie durch die vorhandenen Steinmetzzeichen.
Demnach könnte der nach allen Seiten hin inschriftlich mit den Jahreszahlen 1540 und 1541 (1539/40 (d)) datierte Ledergrabenflügel den ältesten Bauabschnitt darstellen. Zur selben Zeit oder mit geringer Verzögerung erfolgte der Bau des großen Hauptflügels (1541 (i), Dendroprobe 1. DG: 1539/40 (d)), zu dem konstruktiv auch die westliche Zone des Kanzleiplatzflügels gehört. Den jüngsten Bauabschnitt bilden schließlich die restlichen vier bzw. fünf (1. DG) äußeren Zonen des Kanzleiplatzflügels, inschriftlich datiert auf 1542 (i).

Der Baukomplex des Friedrich-List-Gymnasiums weist heute ein trügerisch einheitliches Erscheinungsbild auf, das vor allem auf einen kräftig in die Substanz eingreifenden Umbau von 1967-72 und später zurückgeht.
Das bestehende Gebäude des Friedrich-List-Gymnasiums zählt trotz aller neuzeitlichen und modernen Veränderungen zu den wertvollsten Fachwerkbauten Reutlingens aus der Zeit vor dem großen Stadtbrand 1726.


1. Bauphase:
(1540 - 1541)
Datierung der Flügel zwischen (d/i)
Betroffene Gebäudeteile:
keine
Lagedetail:
  • Klosteranlage
    • allgemein

2. Bauphase:
(1967 - 1972)
Umbau und Sanierung
Betroffene Gebäudeteile:
keine

Besitzer:in

keine Angaben

Fotos

Abbildungsnachweis
Nordwestansicht / Ehem. Barfüßerkloster, Friedrich-List-Gymnasium in 72764 Reutlingen (2002 - Tilmann Marstaller)

Zugeordnete Dokumentationen

  • Bauhistorische Untersuchung
  • Ergänzende Befundbeobachtungen zum Hauptflügel

Beschreibung

Umgebung, Lage:
Der Gebäudekomplex des Friedrich-List-Gymnasiums befindet sich auf dem Areal des ehem. Barfüßerklosters, am Kanzleiplatz im südlichen Altstadtbereich von Reutlingen.
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Stadt
Bauwerkstyp:
  • Anlagen für Bildung, Kunst und Wissenschaft
    • Schule, Kindergarten
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung):
Der Gebäudekomplex setzt sich aus drei konstruktiven Einheiten zusammensetzt, die über alle Nutzungsebenen hinweg aufeinander Bezug nehmen und somit lediglich einzelne Bauabschnitte innerhalb des gewaltigen Gesamtprojektes markieren. Sie werden im Folgenden in Ledergrabenflügel (= Südwestflügel), Hauptflügel und Kanzleiplatzflügel (= Nordostflügel) unterschieden.

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Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
Alle drei Flügel besitzen drei im Niveau einander angepasste Stockwerke, die jeweils um eine Balkenstärke über dem unteren vorkragen. Im 1. und 2.0G sind sie einheitlich in drei Schiffe untergliedert.
Auch in der Ausformung der Dachkonstruktion - im 1 .DG eine Kombination aus liegendem und einfach stehendem Stuhl, im 2.DG ein liegender Stuhl - sind alle Gebäudeflügel identisch konzipiert. Die Unterschiede beschränken sich im wesentlichen auf die Anzahl und Größe der einzelnen Zonen sowie in der Gestaltung des Erdgeschosses und der Ausformung der jeweiligen Fachwerkfassaden.

Ledergrabenflügel:
Ursprünglich war das EG vermutlich längs in drei Schiffe gegliedert. Freistehende Holzstützen in der äußeren Bundachsen A und B und die massive Zwischenwand C markieren einen offenen, ununterbrochenen Laubengang. In Querrichtungen teilen 8 Bundachsen den Grundriss in 7 Zonen auf. Am westlichen Ende des Gebäudes besteht ein kurzer, nach NW umbiegender Quertrakt, der im EG dreischiffig und dreizonig aufgefasst ist. Der Quertrakt und Kernbau überschneiden sich mit nordwestlichem Schiff und Mittelschiff des Kernbaus.
Die statische Gliederung des 1 .OG entspricht weitgehend derjenigen, die in den Ständern des Laubenganges im EG angelegt ist. Lediglich das konstruktiv nur im EG und in den beiden Dachgeschossen ablesbare Quergebinde 7 wurde im 1. und 2. 0G aufgelöst, wodurch gefügetechnisch die beiden nordöstlichen Zonen zusammengefasst erscheinen.

Hauptflügel
Der in seiner inneren Raumstruktur am stärksten aufgelöste Teil des Gesamtkomplexes, der Hauptflügel, ist rechtwinklig zum Ledergrabenflügel angelegt und schiebt sich sowohl nach Südosten als auch nach Nordwesten um mehrere Zonen über dessen Breite vor. Wie der Ledergrabenflügel ist der Hauptflügel L-förmig mit langem Haupt- und kurzem, nur eine Zone umfassendem Quertrakt angelegt. Der zweistöckige Fachwerkaufsatz des Hauptflügels folgt im wesentlichen dem Konstruktionsprinzip des Ledergrabenflügels. Das Bundachsensystem zeigt ein dreischiffiges, elfzoniges Raster, das in beiden Stockwerken gleichförmig beibehalten wird. Wie der Ledergrabenflügel biegt auch der Hauptflügel rechtwinklig mit dreischiffigem Fachwerkgerüst um. Dass dieser merkwürdige, nur eine Zone umfassende Quertrakt zur ursprünglichen Baukonzeption gehörte, ist an der Dachkonstruktion erkennbar. Der Hauptbau endet nicht wie an der gegenüberliegenden Seite in einem Giebel, sondern mündet wie der Hauptbau des Ledergrabenflügels in einem Vollwalm, der nahtlos in das Satteldach des Quertraktes mit dem gleichförmig anschließenden Kanzleiplatzflügel überleitet.

Kanzleiplatzflügel
Der Baukörper erstreckt sich über vier (im Dachwerk fünf) Zonen. Durch eine ungewöhnliche Baufuge ist er vom Verbindungstrakt des Hauptflügels getrennt.
Das EG des Kanzleiplatzflügels weicht in seiner Anlage von den beiden anderen Flügeln ab. Nur zwei Seiten, die nordwestliche Traufwand und die Nordöstliche Giebelseite, an der sich das große inschriftlich auf 1542 datierte Portal des Kellerabgangs befindet, sind massiv ausgeführt. Die südöstliche und wohl auch die südwestliche Außenseite waren laubenartig geöffnet. Kräftige Eichenstützen sowohl an der Außenseite als auch im Innern des Gebäudeteils, die nach allen möglichen Seiten durch geschwungene Kopfstreben gesichert waren und die Quer- und Längsunterzüge tragen, weisen auf eine ehemals nach Außen geöffnete Erdgeschosshalle hin.
Das Grundrissraster des EG findet sich auch im Fachwerkoberbau wieder. Die inneren Längs- und Quergebinde der einzelnen Stockwerks sind vertikal in einer Flucht angeordnet und folgen damit mittelalterlichen Baugewohnheiten. Anders als im EG findet sich hier jedoch eine klare Ausprägung von Bundseiten, was auf eine räumliche Unterteilung (zumindest des 1 .OG) durch Wände hinweist. Bei dem schmalen Mittelschiff des 1 .OG dürfte es sich wie beim Haupt- und Ledergrabenflügel um einen Mittellängsflur gehandelt haben. Über ihn gelangte man damals wie heute zu den einzelnen Räumen, die in den etwa gleich breiten Seitenschiffen angeordnet sind.
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand):
keine Angaben
Bestand/Ausstattung:
Im Erdgeschoss des Ledergrabenflügels sind zwei Spitzbogenportale erhalten geblieben.

Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
keine Angaben
Konstruktion/Material:
Das dreigeschossige, etwa 55° geneigte Dachwerk hat sich gut erhalten. Sämtliche Gebinde der beiden Stuhlkonstruktionen im 1. und 2. DG sind nahezu unverändert erhalten. Lediglich im Bereich oberhalb des Chemiesaales in der Südecke des 2. 0G sind Dachgebälk und Stuhlständer durch Anhebung der Raumdecke und den Einbau einer Luftfilteranlage gestört bzw. gekürzt. Zahlreiche Wiedlöcher an Sparren, Stuhlständer und Kehlbalken zeigen an, dass das Bauholz (Tannen und Fichten) wahrscheinlich vollständig aus dem Floßholzhandel am
Neckar stammt und mühsam auf dem Landwege herantransportiert werden mußte.

Das Dachwerk des Hauptflügels entspricht bautechnisch exakt dem des Ledergrabenflügels. Ähnlich ist auch die Konstruktion am Übergang vom Walmdach des Hauptbau zum Satteldach des einzonigen Quertraktes. Die größere Breite des Quertraktes erforderte hier jedoch eine stärkere Dimensionierung der liegenden Stuhlständer und des Ständers am Schnittpunkt der beiden Mittellängsunterzüge. Dafür konnten die liegenden Stuhlständer unter Grat und Kehle durch einen Spannriegel verbunden werden und sind daher nicht parallel versetzt zueinander angeordnet wie beim Ledergrabenflügel.

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