Klosterkirche Wiblingen
Datenbestand: Bauforschung
Objektdaten
| Straße: | Schloßstraße |
| Hausnummer: | 38 |
| Postleitzahl: | 89079 |
| Stadt-Teilort: | Ulm-Wiblingen |
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| Regierungsbezirk: | Tübingen |
| Kreis: | Ulm (Stadtkreis) |
| Wohnplatzschlüssel: | 8421000031 |
| Flurstücknummer: | keine |
| Historischer Straßenname: | keiner |
| Historische Gebäudenummer: | keine |
| Lage des Wohnplatzes: |
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| Geo-Koordinaten: | 48,3614° nördliche Breite, 9,9919° östliche Länge |
Kartenansicht (OpenStreetMaps)
Bauphasen
Bis ins frühe 18. Jahrhundert bestand die Abtei im Wesentlichen aus dem schrittweise ergänzten mittelalterlichen Baubestand. Erst die wirtschaftliche Erholung nach dem Dreißigjährigen Krieg und die 1700 geklärte Rechtsstellung ermöglichten umfassende Neubauplanungen. 1714 beauftragte Abt Modestus I. Huber den aus Elchingen stammenden Baumeister Christian Wiedemann mit einer Gesamterneuerung. Zunächst entstanden jedoch nur Wirtschaftsgebäude und das Torhaus (a).
Unter Abt Meinrad Hamberger wurde die Planung 1731/32 vergrößert; daraus resultiert der bis heute bestehende Achsversatz zwischen Torhaus und Klosterkirche. Ab 1732 entstand die neue Klosteranlage, zunächst unter Christian Wiedemann, später unter Johann IV. und Johann III. Wiedemann. Nach dem Österreichischen Erbfolgekrieg wurde Johann Michael Fischer mit dem Ostflügel und einem neuen Kirchenentwurf beauftragt.
Fischers Entwurf entsprach in Bauvolumen und Grundgliederung bereits weitgehend der später ausgeführten Kirche, wich jedoch besonders bei Türmen, Querhaus und Dachkonstruktion ab. Vorgesehen war ein Wandpfeilersystem mit höher liegender Dachbalkenlage und einem dreiachsigen Hängewerk; die Spannweite sollte so konstruktiv reduziert werden. (a)
Nach dem Tod Fischers 1766 wurde das Projekt nicht weiterentwickelt. Bereits beschafftes Baumaterial wurde eingelagert. Unter Abt Roman Fehr wurde schließlich Johann Georg Specht berufen, dessen Entwurf die Grundlage der späteren Ausführung wurde.
Der Neubau des Münsters:
Im Jahr 1771 wurde der Baumeister Johann Georg Specht mit dem Kirchenneubau beauftragt und die Bauausführung ab dem Jahr 1772 vollzogen. Die Grundsteinlegung erfolgte am 14. Mai 1772. Bereits 1774 arbeiteten die Zimmerer am Dachwerk, dessen Holz aufgrund der großen erforderlichen Dimensionen über mehrere Jahre beschafft werden musste. Die Dendrodaten reichen von 1769 bis 1775/76 (d) und bestätigen einen gestaffelten Bauablauf. Das Richtfest fand am 7. April 1777 statt, 1778 begann der Innenausbau. Die alte Kirche wurde 1781 abgetragen, die Schlussweihe erfolgte am 28. September 1783. Der Innenausbau stand unter Leitung Januarius Zicks; die geplanten Westtürme blieben unvollendet. (a)
(1772)
- Klosteranlage
- allgemein
- Sakralbauten
- Klosterkirche
(1778)
Zugeordnete Dokumentationen
- Aufmaßpläne
Beschreibung
Die hier behandelte Klosterkirche bildet den Mittelpunkt der ausgedehnten Klosteranlage. Nördlich und südlich schließen spiegelsymmetrisch die beiden Konventsflügel U-förmig an die Kirche an, deren Fassade mit den beiden Turmstümpfen nach vorne in den weiten Klosterhof vorspringt. Die vier Eckbereiche sind durch pavillonartige Bauten hervorgehoben, in der Mitte des Nord- und Südflügels erhebt sich jeweils ein hoher Mittelrisalit. Der Ostflügel des Konvents verläuft östlich ohne Unterbrechung, an den Chorbau anschließend, mit einem reich gegliederten Mittelrisalit. Der breit angelegte Klosterhof im Westen wird von verschiedenen Wirtschaftsbauten eingefasst, mittig, allerdings in der Achse zur Kirche etwas versetzt, sitzt der Torpavillon.
Der Bau gliedert sich in vier Abschnitte
a. Turmstümpfe an der Westfassade
b. Westlicher Abschnitt: Langhaus
c. Mittlerer Abschnitt: Rotunde
d. Östlicher Abschnitt: Chorbau
Zonierung:
Konstruktionen
Die beiden aus Ziegelmauerwerk mit Kalksteinverkleidung errichteten Türme der Westfassade blieben unvollendet. Vorgesehen waren 70–80 m Höhe; ausgeführt wurde nur das untere Drittel bis zur Traufe. Die etwa 7,5 × 7,5 m großen Turmstümpfe stehen leicht verdreht seitlich des Mittelrisalits und erhielten nach Einstellung der Arbeiten einfache Notdächer. Im Südturm befindet sich das Geläut der Klosterkirche.
b) Westlicher Abschnitt: Langhaus
Der ausgerundete westliche Fassadenbereich nimmt die Empore auf, die wohl als Standort einer großen, erst 2019 ausgeführten Orgel vorgesehen war. Das dreijochige Langhaus besitzt im West- und Ostjoch Fenster; an das breitere Mitteljoch schließen beidseitig zweigeschossige Oratorien an. Eine auskragende hölzerne Empore umläuft den Kirchenraum.
Das Langhaus wird von einem flachen Spiegelgewölbe überspannt, dessen Holzlattenkonstruktion unmittelbar an der Dachbalkenlage hängt. Das Dachwerk erreicht etwa 15,7 m Höhe, über 27 m Gesamtbreite und 23,6 m freie Spannweite. Es handelt sich um ein Kehlbalkendach mit drei Kehlbalkenebenen, liegenden Stühlen und fünf parallelen Hängewerken. Doppelte Zughölzer tragen Überzüge; Polygonbögen und Sprengwerke ergänzen das Tragsystem.
Die Dachbalkenlage besitzt einen Fehlboden mit Lattung und Putzlagen. Bemerkenswert sind die bis zu 27 m langen, mächtigen Dachbalken, deren Querschnitte der natürlichen Wuchsform folgen und deren Ausrichtung alterniert. Im Westen endet das Dach an der geschwungenen Hauptfassade. Der ursprünglich vorgesehene hohe Mittelgiebel wurde nicht ausgeführt; die Gespärre sind hier radial angeordnet.
c) Mittlerer Abschnitt: Rotunde
Die Rotunde bildet das Zentrum der Kirche. Ihre Außenmauern folgen einem Kreis von etwa 38 m Durchmesser. Über der Vierung erhebt sich eine hölzerne Kuppel von etwa 32 m Durchmesser, deren Scheitel knapp 31,5 m über dem Laufniveau liegt. Vier hölzerne, putzverkleidete Gurtbögen und Pendentifs vermitteln zwischen Kuppel und angrenzenden Raumabschnitten.
Die Kuppel besteht aus etwa hundert radial angeordneten, zweilagigen Bohlenbögen. Darüber liegt ein komplexes räumliches Tragwerk aus sieben Nord-Süd- und sechs Ost-West-gerichteten Querbünden, Hängewerken, liegenden Stühlen, Sprengwerken, Polygonbögen, Zugriegeln und Scherenstreben. Im Zentrum steht ein bis zum First reichender „Kaiserstiel“. Zusätzliche, knapp 30 m lange Streben und diagonal angeordnete Sprengbünde stützen das System.
Die Dachhaut über der Vierung wird von Kehlsparren und Schiftersparren getragen. Über den seitlich vorspringenden Querhausarmen folgt das Tragwerk grundsätzlich dem Langhaussystem; Sparren und Binder sind dort radial angeordnet.
d) Östlicher Abschnitt: Chorbau
Der Chorbau entspricht grundsätzlich dem Langhaus. Im Inneren gliedern Gurtbögen den Raum formal in drei Teile; das Dachwerk spannt jedoch frei über die gesamte Gebäudebreite. Die Gurtbögen sind eigenständige, putzverkleidete Holzkonstruktionen.
Im Osten schließt eine halbrunde, eingezogene Apsis an. Über Abseiten und Apsis liegen segmentbogige Holzkalotten. Die Dachkonstruktion entspricht im Regelquerschnitt dem Langhaus. Oberhalb des Chores befand sich ursprünglich ein hölzerner Dachreiter mit Chorglocke, von dem heute noch der Unterbau auf der oberen Kehlbalkenlage erhalten ist.


