Bandhaus (Schloß Presteneck)

Datenbank Bauforschung/Restaurierung

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Wohnhaus

ID: 173180510712  /  Datum: 14.05.2026
Datenbestand: Bauforschung
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Objektdaten

Straße: Pfäfflinshofstraße
Hausnummer: 4
Postleitzahl: 72764
Stadt-Teilort: Reutlingen

Regierungsbezirk: Tübingen
Kreis: Reutlingen (Landkreis)
Wohnplatzschlüssel: 8415061015
Flurstücknummer: keine
Historischer Straßenname: keiner
Historische Gebäudenummer: keine
Lage des Wohnplatzes: Lage des Wohnplatzes

Kartenansicht (OpenStreetMaps)

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Objektbeziehungen

keine

Umbauzuordnung

keine

Weitere Objekte an diesem Wohnplatz

Bauphasen

Kurzbeschreibung der Bau-/Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:

Bei dem Gebäude Pfäfflinshofstr. 4 handelt es sich um das Produkt einer ebenso wechselvollen wie interessanten Baugeschichte. Hinsichtlich der zum Teil abenteuerlich anmutenden baulichen Lösungen, welche für das in seiner Geschichte zweimal stark verkippte bzw. fast völlig eingestürzte Gefüge zur Sanierung gefunden wurden, ist es geradezu ein Wunder, dass sich dieses Gebäude bis heute erhalten hat. Von dem ersten zweigeschossigen, traufständigen Fachwerkbau von 1337, dessen südliche Hälfte sich im Gebäude Pfäfflinshofstr. 4 in aufschlussreichen Bauteilen überliefert hat, reicht die Baugeschichte über einen dreigeschossigen Neubau dieser Haushälfte im Laufe des Jahres 1364 mit mindestens vier nachfolgenden Umbauphasen bzw. Sanierungen bis hin zu dem in dieser Form heute noch erhaltenen Gebäude.
Zunächst war das Gebäude offenbar direkt an die bis ins 19. Jh. erhaltene Stadtmauer angebaut und nutzte sie vermutlich als westliche Wandseite. Nach nur 27 Jahren wurde diese Anbindung jedoch wieder gelöst, was dem auf dieser Seite nur sehr dürftig mit Gefügehölzern gesicherten ersten Bau offenkundig starke statische Probleme bereitete. Die Schaffung eines Freiraumes zwischen Stadtmauer und Gebäude ist mit Sicherheit in Zusammenhang mit der Durchsetzung einer baurechtlichen Anordnung zu sehen, welche auf eine bessere Wehrfähigkeit der Stadtmauer im Kriegsfalle abzielte. Möglicherweise nahm man eine Erbteilung zum Anlass für diesen auffallend
rasch folgenden Umbau.
Bezeichnend für das geringe finanzielle Potential des Bauherrn von Bau II (1364 (d)) ist neben dem verwendeten Baumaterial die Art und Weise, wie dieser Neubau ausgeführt wurde. Zur Errichtung des neuen Gefüges wurde von den Bauteilen des Vorgängerbaus übernommen, was übernommen werden konnte. Dazu nahm man im Falle der Nordwand (ehemalige Mittelwand von Bau I) sowohl die ungünstige zweigeschossige Konstruktionsweise als auch die starke Verkippung (6° Neigung nach W) des älteren Gefüges in Kauf. Der einzige "Luxus", den sich der Bauherr leistete, war die Errichtung des über dem Erdgeschoss stark auskragenden zweigeschossigen Bauteils der Bohlenstube mit darüberliegender Kammer, für welchen die ehemalige Südwand um ein Geschoss auf Erdgeschoßhöhe reduziert wurde. Die Konstruktion des Stuben/Kammerteils entpuppte sich innerhalb des übrigen Baugefuges gleichsam als das "Haus im Haus". Diese Formulierung umschreibt weniger die Funktion dieser Räume, sie bringt vielmehr die Anbindungen dieser in sich geschlossen abgezimmerten Konstruktion an das Gefüge der Nord- und Westwand zum Ausdruck, welche von ihr nur als Stützwände genutzt wurden. Infolge der Umbauten der zur Pfäfflinshofstraße hin orientierten Ostfassade seit dem 17. Jh. verlor Bau II schon vor einiger Zeit sein ursprüngliches "Gesicht". Die Wände wurden in offensichtlich konstruktivem, vermutlich verputztem Fachwerk errichtet und besaßen fortan nicht mehr den repräsentativen Charakter der ehemaligen Bohlen und Bretterwände des 14. Jahrhunderts.
Mit dem nun vorgesehenen Abbruch des Gebäudes erlischt die über 650jährige Baugeschichte eines der wenigen erhaltenen hochmittelalterlichen Handwerkerhäuser, vermutlich des letzten mittelalterlichen Gerberhauses in Reutlingen.


1. Bauphase:
(1337)
Errichtung des Gebäudes (d)
Betroffene Gebäudeteile:
keine
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Stadt
Bauwerkstyp:
  • Wohnbauten
    • Wohnhaus

2. Bauphase:
(1364)
Um- und Neubau (d)
Betroffene Gebäudeteile:
keine

Besitzer:in

keine Angaben

Fotos

Abbildungsnachweis
Ansicht Ostfassade  / Wohnhaus in 72764 Reutlingen (1995 - T. Marstaller)

Zugeordnete Dokumentationen

  • Bauaufnahme

Beschreibung

Umgebung, Lage:
Das Gebäude befindet sich am nordwestlichen Rand der einst ummauerten Reichsstadt unweit des Tübinger Tores.
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Stadt
Bauwerkstyp:
  • Wohnbauten
    • Wohnhaus
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung):
Bei dem bestehenden Gebäude handelt es sich um ein dreistöckigen, traufständigen Fachwerkbau mit ungefähr firstparalleler tonnengewölbter Unterkellerung der straßenseitigen Haushälfte.
Die beiden Obergeschosse kragen zur Straßenseite hin aus. Auffallend ist die starke Auskragung des 1. OG, welche über drei kräftige Büge abgesichert ist. Das 2. 0G besitzt hingegen nur eine geringfügige Auskragung.
Das Gebäude besitzt ein einstöckiges, steiles Sparrendach mit Spitzboden, der zur Sicherung einen doppelt stehendem Stuhl erhielt.
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
Der unregelmäßig trapezförmig zwischen Straße und ehemaligem Stadtmauerverlauf eingespannte Grundriss von ca. 6,3 x 7,1 m Grundfläche zeigt im EG sowohl eine zweischiffige als auch zweizonige Aufteilung. Die Anzahl der Schiffe und Zonen wird in den Obergeschossen beibehalten, jedoch verlaufen die schiffstrennenden Wände an anderer Stelle.
Der Zugang zum Gebäudeinneren erfolgt durch eine Türöffhung an der Außenseite der nördlichen Zone im EG.
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand):
keine Angaben
Bestand/Ausstattung:
keine Angaben

Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
  • Gewölbe
    • Tonnengewölbe
  • Dachform
    • Satteldach
  • Holzgerüstbau
    • allgemein
Konstruktion/Material:
Das bestehende Dach ist eine zweigeschossige Sparrenkonstruktion mit eingezapften Kehlbalken. Der Bereich des 1. DG ist geprägt durch einen modernen Umbau, bei welchem eine breite Schleppgaube zur Straße hin angelegt und die schräg verlaufenden Wände des Daches verkleidet wurden. Das obere Dachgeschoss zeigt dagegen offen verlaufende, durch Ruß geschwärzte Sparren, welche offensichtlich sekundär verbaut wurden. Die ausgeriegelten Giebelwände des Daches sind in Fachwerktechnik errichtet und zeigen einige ältere Bauhölzer (mit Blattsassen) in Zweitverwendung. Die Gefache sind überwiegend mit Flechtwerk, seltener mit Bruchsteinen oder Ziegel ausgefacht.

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