Multihalle Mannheim
Datenbestand: Bauforschung und Restaurierung
Objektdaten
| Straße: | keine |
| Hausnummer: | keine |
| Postleitzahl: | 68169 |
| Stadt-Teilort: | Mannheim |
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| Regierungsbezirk: | Karlsruhe |
| Kreis: | Mannheim (Stadtkreis) |
| Wohnplatzschlüssel: | 8222000019 |
| Flurstücknummer: | keine |
| Historischer Straßenname: | keiner |
| Historische Gebäudenummer: | keine |
| Lage des Wohnplatzes: |
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| Geo-Koordinaten: | 49,5044° nördliche Breite, 8,4798° östliche Länge |
Kartenansicht (OpenStreetMaps)
Bauphasen
Der Mannheimer Herzogenriedpark war als Standort der Bundesgartenschau 1975 designiert; auf dem Gelände sollte eine große, zentrale Halle mit anschließenden überdachten Freiflächen errichtet werden. Mit den Entwürfen waren die Architekten Carlfried Mutschler sowie Joachim und Winfried Langer beauftragt. Nach verschiedenen Entwurfsalternativen wandten sie sich an Frei Ottos Atelier Warmbronn, wo „aus der Umkehrung eines Hängemodells […] eine filigrane Holzgitterkonstruktion“ entwickelt wurde (Bericht BfB 16.12.2009, S. 2).
Zwischen 1973 und 1975 gelang in enger Abstimmung verschiedener Fachplaner die Entwicklung, Konstruktion und Ausführung der Halle. Klaus Linkwitz überführte die Geometrie des Hängemodells in den größeren Maßstab und übernahm die messtechnische Überwachung; Edmund Happold und Ian Liddel von Ove Arup & Partners verantworteten statische Berechnungen und Detailentwicklungen. Für die Berechnungen kamen EDV-basierte Systeme und Stabwerksmodelle zum Einsatz (Bericht BfB 16.12.2009). Die Ergebnisse machten lokale Modifikationen erforderlich, insbesondere die Verdoppelung der Lattenlage über den beiden großen Hallen.
Vor der Ausführung erfolgten zahlreiche Versuche an Modellen und Werkstoffen (Wenzel/Frese 1975, S. 281). Für die präzise Fertigung der Latten wurde eine 31 m lange Fertigungsbahn eingerichtet; insgesamt waren 150.000 Löcher herzustellen (Buhr 1975, S. 288/289). Die Gitterschale wurde über Einzelstützen errichtet, die „stufenweise angehoben und verlängert wurden“ (Wenzel/Frese 1975, S. 285). Ein abschließender Belastungsversuch ergab eine „sehr gute Übereinstimmung“ zwischen Rechenmodell und tatsächlichem Verformungsverhalten (Wenzel/Frese 1975, S. 288).
(1970 - 1975)
- Siedlung
- Stadt
- Anlagen für Bildung, Kunst und Wissenschaft
- Museum/Ausstellungsgebäude
Zugeordnete Dokumentationen
- Bestands- und Schadensaufnahme
Beschreibung
- Siedlung
- Stadt
- Anlagen für Bildung, Kunst und Wissenschaft
- Museum/Ausstellungsgebäude
- Anlagen für Erholung, Freizeit, Sport
- Veranstaltungs-/ Festhalle
Zonierung:
1) Westlicher Tunnel
2) Bereich „Veranstaltungshalle“ - Große Halle mit Vorbereich und Anraum („Banane“)
3) „Link“
4) Bereich „Restaurant“ - Kleine Halle mit Vorbereich
5) Nördlicher Tunnel
6) Östlicher Tunnel
Konstruktionen
- Holzgerüstbau
- allgemein
- Verwendete Materialien
- Beton
- Eisen
- Holz
- Dachform
- Bogendach
Nach dem ersten Entwurfskonzept sollte die gesamte Struktur mit einem einlagigen Lattengitter überdeckt werden; aus statischen Erfordernissen wurde über den Großräumen (Bereiche “Veranstaltungshalle“ und „Restaurant“) schließlich ein doppeltes, zweilagiges Gitter errichtet.
Das „Standardgitter“ ist mit einer Maschenweite von 50 cm (Achsmaß) konstruiert; die Latten haben Querschnitte von 5x5 cm und bestehen aus importierter Canadian Hemlock Pine (Kanadische Hemlocktanne). An den Kreuzungspunkten sind die Latten mit 8 mm-Gewindestangen verbunden; unter den Muttern sind Tellerfedern angebracht. Die Latten sind an den Kreuzungspunkten mit Langlöchern versehen, die Verformungen und Toleranzen in der aufgerichteten, gewölbten Geometrie aufnehmen. Die Fixierung der Stöße erfolgte nach Aufrichten des Gefüges; die Tellerfedern dienen dazu, leichte, z.B. durch Schwinden oder Quellen verursachte Formänderungen zu kompensieren.
Die Detailausbildung in den Bereichen mit doppelten Gitterschale ist analog; der Bolzen ist hier durch den Kreuzungspunkt der vier Lattenlagen durchgeführt.
Die teils erhebliche Länge der durchlaufenden Latten machte die Ausbildung von Stößen erforderlich. Diese wurden teils stumpf, teils mit kurzen Keilzinkverbindungen von ca. 20 mm Länge ausgebildet, und beidseitig mit Brettlaschen (50 x 25 mm) geschient. Die Laschen wurden zunächst planmäßig mit je 4x4 Nägeln befestigt. Es zeigte sich während des Bauprozesses, dass mit der intendierten Befestigung keine ausreichende Steifigkeit der Verbindungen erzielt wurde; die Befestigung der Latten wurde mit zusätzlichen Bolzen mit Tellerfedern ergänzt. Die gleiche Verstärkung wurde auch zur Reparatur gebrochener Latten herangezogen (vgl. Happold 1976, S. 114), wobei diese Anlaschungen mutmaßlich nach dem Aufbauvorgang erfolgt sein dürfte.
In Teilbereichen des zweilagigen Gitters mussten, um die Schubsteifigkeit der Doppellatten zu erhöhen, beim Bau der Halle zusätzliche „Schub-Sperrstucke“ zwischen den parallelen Lattenlagen eingeführt werden. Diese wurden als dreifach verbolzte Doppelkeile zwischen den Latten ausgeführt (vgl. Happold 1976, S. 114).
In den Bereichen „Restaurant“ und „Veranstaltungshalle“ wurde die Gitterschale zusätzlich mit doppelten Stahl-Spiralseilen (ø 6 mm) ertüchtigt, die im Abstand von je 4,25 m diagonal über dem Gitterraster verlaufen. „Sie gewährleisten eine ausreichende Formstabilität insbesondere auch dann, wenn Lasten, wie Wind und/oder Schnee, unsymmetrisch auf das Tragwerk einwirken.“ (Bericht BfB 16.12.2009, S. 3; Wenzel/Frese 1975, S. 283)




