Neues Schloss Baden-Baden, Dagobertsterasse und Kavaliersbau
Datenbestand: Bauforschung und Restaurierung
Objektdaten
| Straße: | Schloßstraße |
| Hausnummer: | 22 |
| Postleitzahl: | 76530 |
| Stadt-Teilort: | Baden-Baden |
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| Regierungsbezirk: | Karlsruhe |
| Kreis: | Baden-Baden (Stadtkreis) |
| Wohnplatzschlüssel: | 8211000000 |
| Flurstücknummer: | keine |
| Historischer Straßenname: | keiner |
| Historische Gebäudenummer: | keine |
| Lage des Wohnplatzes: |
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| Geo-Koordinaten: | 48,7644° nördliche Breite, 8,2417° östliche Länge |
Kartenansicht (OpenStreetMaps)
Objektbeziehungen
| Ist Gebäudeteil von: | |
| 1. Gebäudeteil: | Neues Schloss, Sachgesamtheit, Schloßstraße 22 |
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| Besteht aus folgenden Gebäudeteilen: | |
| keine Angabe | |
Bauphasen
Das Neue Schloss ist als Burg seit dem Ende des 14. Jahrhunderts nachweisbar. Im 16. Jahrhundert unter den Markgrafen Philipp I. und II. prächtig ausgebaut, blieb es bis zur Teilzerstörung im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1689 Hauptresidenz der Markgrafschaft.
Die kriegsbeschädigte Anlage wurde ab etwa 1700 vereinfachten Formen wiederaufgebaut. 1706 erfolgte die endgültige Verlegung des Residenzstandortes nach Rastatt. Seit 1805 nutzten die Großherzöge von Baden das Neue Schloss von Baden-Baden als Sommerresidenz; während des 19. Jahrhunderts wurden großzügige Renovierungsarbeiten unternommen, die bis heute die Anlage deutlich prägen. Erst im späten 20. Jahrhundert wurde das Schloss veräußert: 1995 wurden große Teile des Inventars versteigert, bevor das Neue Schloss im Oktober 2003 verkauft wurde.
(1390 - 1399)
- Siedlung
- Stadt
- Befestigungs- und Verteidigungsanlagen
- Burg, allgemein
(1479 - 1689)
Reliefs an den Ecken der Hoffassade werden dem spätmittelalterlichen Bildhauer Hans Spryß in den 1480er Jahren zugeschrieben. In diese Zeit fällt auch die Residenzverlegung vom Oberen Schloss Hohenbaden in das Untere, Neue Schloss durch Markgraf Christoph I. Die Verbindung zum mittelalterlichen Wehrgang an der Nordseite der Burg dürfte ebenfalls aus dieser Phase stammen. Hofseitig befand sich ein aufwändig gestalteter Treppenturm, der Zugang erfolgte von Nordosten durch ein weites Spitzbogentor.
Im 16. Jahrhundert wurde die Nordseite der mittelalterlichen Burg überbaut. Der 1577 errichtete Küchenbau orientierte sich am Kavalierbau und überschnitt diesen im Nordosten. Der frühere Wehrgang mündete nun in den Arkadengang des Küchenbaus.
Darstellungen des 17. Jahrhunderts zeigen den Kavalierbau vor seiner Zerstörung als zweigeschossigen Bau mit viergeschossigem Dachstuhl und hofseitigem Treppenturm. Das nicht erhaltene Dachwerk war ein Sparrendach mit vermutlich drei Kehlbalkenebenen. Westlich des Treppenturms bestanden mindestens drei Fensterachsen mit Kreuzstockfenstern. Ein Zwerchhaus mit vermutetem Flaschenzug erleichterte die Einlagerung von Gütern. Mehrere Kamine sind nachweisbar; ihre Züge haben sich teilweise in der Außenmauer erhalten. Rundbogige, später verkleinerte Fensteröffnungen im westlichen Drittel des Kavalierbaus werden vermutlich der Ursprungsanlage zugerechnet.
- Burganlage
- allgemein
- Befestigungs- und Verteidigungsanlagen
- Burg, allgemein
(1709 - 1733)
Im Erdgeschoss sind bis auf die Fenstergliederung heute nunmehr Fragmente der barocken Bauphase sicher greifbar (Lambris im unteren Wandviertel in zwei Räumen der Räume im Südosten, Ohrungen von Türrahmungen, Fenster). Mithilfe der dendrochronologischen Untersuchung konnte die Stube beim gotischen Gebäudeeingang im Osten auf 1732/33 (d) datiert werden. Vermutlich überliefert der älteste Grundrissplan des Kavalierbaus 1807 die Raumaufteilung der barocken Bauphase mit dem Küchenraum im Südwesten.
Im Dachgeschoss ist die einzigartige Dachkonstruktion aus dem Jahr 1709 (d) erhalten. Um das mit 22,5 m Breite relativ tiefe Gebäude zu überdachen, wurde eine unübliche Lösung gewählt. Statt das Gebäude mit einem hohen Dachstuhl analog zum Vorgängerbau zu versehen, entschied man sich für zwei parallele Sparrendächer, womöglich um die Kosten zu begrenzen. Hierfür machte man sich die massive Mittelwand als inneres Auflager und als Grabenrinne zunutze. Sehr auffällig ist die Ausbildung der kurzen Seiten mit Verbindungsdächern, sodass die Entwässerung des Grabens durch das und unterhalb des westlichen Dachabschnittes erfolgen musste.
(1817 - 1825)
Ab Beginn des 19. Jahrhunderts wurden umfassende Umbaupläne für den Kavalierbau entwickelt, der zunächst vor allem wirtschaftlich genutzt wurde und sich offenbar in schlechtem baulichem Zustand befand. 1801 wurde vorgeschlagen, das Gebäude mit mäßigem Aufwand zu einer Küche mit Wohnhaus umzubauen und im westlichen Erdgeschoss eine Hausmeisterwohnung einzurichten; zugleich sollte der schadhafte Dachstuhl ersetzt werden. Planungen von 1807 bis 1810 sahen größere Eingriffe vor, darunter Veränderungen der Raumhöhen, ein neues Walmdach sowie Umbauten für die Hausmeisterwohnung, von denen jedoch nicht alle ausgeführt wurden. Ein Gutachten von 1817 belegt weiterhin die überwiegend wirtschaftliche Nutzung des Kavalierbaus: Im Hauptkeller konnten über 100 Fuder Wein gelagert werden, die Speicher im Dach- und Zwischengeschoss fassten 1200 Malter, während sich im Erdgeschoss neben der Hausmeisterwohnung Stallstuben und eine Kammer für den Stalloffizianten befanden. Zugleich wurde die Wiederherstellung des ehemaligen Rittersaals als repräsentativer Erinnerungsort an die Vorfahren des Hauses vorgeschlagen. Dieser Plan wurde bald umgesetzt: 1824/25 entstanden der neue Rittersaal mit Kassettendecke sowie anstelle der Stallstuben ein Appartement mit „Cavalierzimmern“; die frühere Kammer des Stalloffizianten wurde zum Dienerzimmer. Auch Reparaturen am Dach wurden vermutlich in dieser Zeit vorgenommen. 1847 wurde die frühere Hausmeisterwohnung schließlich als Schlossverwalterwohnung bezeichnet.
(1865 - 1873)
1865 wurden die Toiletten im Nordosten des Erdgeschosses umgebaut und zwei Toilettenkabinen eingerichtet. Spätestens 1867 wurde auch der Erker im Südosten abgerissen. Der genaue Zeitpunkt des Einbaus des Pfettendachs über dem Dachgraben ist unklar; Hinweise aus Reparaturen und Inschriften sprechen jedoch für eine Entstehung im späteren 19. Jahrhundert, möglicherweise um 1873. In den 1870er Jahren wurden zudem die Räume im Südwesten neu gefasst.
Eine Besonderheit des Kavalierbaus ist die große Zahl historischer Oberlichter. Die älteren, verbretterten und vergitterten Oberlichter entstanden frühestens um 1865 und spätestens vor den 1920er Jahren. Ende des 19. Jahrhunderts wurde außerdem der Treppenaufstieg vom Zwischengeschoss ins Dachgeschoss verlegt und es wurden neue Kamine eingerichtet.
(1900 - 1999)
Die Umbauten des 20. Jh. lassen sich durch die wenigen verfügbaren Planunterlagen im Detail auffällig schlecht nachvollziehen.
Aus Aufnahmen um etwa 1910-1920 ist bekannt, dass der Bereich zwischen Kavalierbau und Archivturm überdacht war – womöglich als Wagenremise oder Lager. Die scheunenartige Konstruktion wurde vor 1962 abgerissen (Bildaufnahme).
Im Erdgeschoss wurde die Nordfassade mit zahlreichen neuen Fensteröffnungen versehen, um u.a. mehr Licht in den Rittersaal zu bringen. Ein Tresor wurde am Ende des Gangs im Südosten eingebaut und hierfür die Außen- und mittige Mauer teils abgebaut. Nahezu alle Räume erfuhren eine neue, sehr kleinteilige Gliederung. Vermutlich aus bauklimatischen Gründen (Heizung!) wurden in den meisten Räumen Abhangdecken eingebaut.
Im Zwischengeschoss Nordwest ergänzte man zur Unterstützung der Deckenbalken ein Sprengwerk. Der Treppenaufstieg vom Zwischengeschoss ins Dach wurde erneut verlegt.
Im Westen errichtete oder erneuerte man drei Oberlichten, nun nicht mehr als Bretter-sondern Spanplattenkonstruktion. Diese Oberlichten sind analog zu den älteren Pendants mit waagerecht eingebauten Fenstern verschlossen. Sie verfügen über einen Öffnungsmechanismus, der im Erdgeschoss teilweise erhalten ist (Schiebegriff zum Lüften).
1904 wurde das Zwerchhaus ausgebaut, es ist über einen neu eingebauten Kaminschlot heizbar.
Zugeordnete Dokumentationen
- Gutachten zur Baugeschichte des Kavaleriebaus
- Bauhistorisches Gutachten der Dagobertsterrasse
Beschreibung
- Burganlage
- allgemein
- Residenz- und Hofhaltungsbauten
- Schloss
Zonierung:
Das Erdgeschoss ist, wie auch das KG, durch eine massive Mauer in West-Ost-Richtung geteilt und in drei Querzonen gegliedert. Im kleinteiligen Westen befinden sich Besprechungs- und Büroräume. In der Mitte liegen das „Vestibül“ des Haupteingangs im Süden und der Rittersaal im Norden, beide mit historischen Kassettendecken. Im Osten befinden sich der Zugangsbereich des Rittersaals sowie das ehemalige Cavaliersappartement, das heute als Gästezimmer dient.
Die Gesamthöhe des Erdgeschosses beträgt in den Sälen bis zum Anschluss DG etwa 5,0 m. In den meisten Bereichen wurden die Raumhöhen durch ein Zwischengeschoss auf etwa 3,0 bis 3,70 m reduziert. Im Nordwesten erfolgt die Unterteilung durch eine Holzbalkendecke mit Streichbalken und Konsolen. Das Halbgeschoss ist über eine Treppe erschlossen und ermöglicht den Zugang zum Dachgeschoss. Zwei Rundfenster belichten den westlichen Raum; ein Sprengwerk unterstützt die Deckenbalken.
Im Nordosten befindet sich eine ehemalige Stube mit hölzerner Balkendecke. Die übrigen Räume besitzen abgehängte Decken aus dem späten 20. Jh. Im Zwischengeschoss sind vielfach historistische Fassungen der ehemals geschosshohen Räume erhalten. Im ehemaligen Appartement im Südosten finden sich einfache, farbig gefasste Kassettendecken, im Westen überwiegend verputzte Decken.
Das Dachwerk erscheint außen als monumentales Mansarddach, besteht konstruktiv jedoch aus zwei parallelen barocken Kehlbalkendächern von 1709, verbindenden Dachabschnitten im Westen und Osten sowie einem im 19. Jahrhundert über dem ursprünglich offenen zentralen Entwässerungsgraben ergänzten flachen Pfettendach. Die barocken Sparrendächer mit liegendem Stuhl und Hängewerk weisen eine Neigung von etwa 44° auf und sind in den Eck- und Walmbereichen durch komplexe Dachbeschneidungen geprägt. Zahlreiche Fußpunkte und Zerrbalken wurden bereits erneuert oder verstärkt. Im Dachraum haben sich Teile historischer Decken, zahlreiche Oberlichtschächte und Abbundzeichen erhalten. Die äußeren Dachflächen sind mit Biberschwanzziegeln, das zentrale Rofendach mit Blech gedeckt.
Konstruktionen
- Steinbau Mauerwerk
- Bruchstein


