Datenbank Bauforschung/Restaurierung

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Ettlinger Schloss, Südwestturm

ID: 201221419188  /  Datum: 21.01.2008
Datenbestand: Bauforschung
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Objektdaten

Straße: Schlossplatz
Hausnummer: 3
Postleitzahl: 76275
Stadt-Teilort: Ettlingen

Regierungsbezirk: Karlsruhe
Kreis: Karlsruhe (Landkreis)
Wohnplatzschlüssel: 8215017004
Flurstücknummer: keine
Historischer Straßenname: keiner
Historische Gebäudenummer: keine
Lage des Wohnplatzes: Lage des Wohnplatzes

Kartenansicht (OpenStreetMaps)

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Objektbeziehungen

keine

Umbauzuordnung

keine

Bauphasen

Kurzbeschreibung der Bau-/Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:

Das Dachwerk des Südwestturmes wurde um 1730 (d) errichtet.


1. Bauphase:
(1729 - 1730)
Abzimmerung des Dachwerkes (d)
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Dachgeschoss(e)
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Stadt
Bauwerkstyp:
  • Residenz- und Hofhaltungsbauten
    • Schloss

Besitzer:in

keine Angaben

Fotos

Abbildungsnachweis
Zeichnung / Ettlinger Schloss, Südwestturm in 76275 Ettlingen (2012 - Burghard Lohrum)
Abbildungsnachweis
Turmgrundriss / Ettlinger Schloss, Südwestturm in 76275 Ettlingen (2012 - Burghard Lohrum)

Zugeordnete Dokumentationen

  • Bauaufnahme und Dendrodatierung

Beschreibung

Umgebung, Lage:
Der Turm steht am äußeren, südwestlichen Eck der Vierflügelanlage.
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Stadt
Bauwerkstyp:
  • Residenz- und Hofhaltungsbauten
    • Schloss
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung):
Den baulichen Ausgangspunkt für den konstruktiven Aufbau der südwestlichen Turmbedachung bildet das oberste Deckengebälk des Turmes. Nach der Abzimmerung und Errichtung des Hauptdaches erfolgte der eigentliche Abbund der Turmbedachung. Über der aus Dachbalken, Wechsel und Stichbalken bestehenden Dachbasis ist das Traggerüst der Turmhaube abgezimmert. Die Formgebung der Haube ist im Zuge des aufsteigenden Kaiserstiels durch dessen konstruktive Ausführung in zwei voneinander getrennten Abschnitten unterteilt.
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
keine Angaben
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand):
keine Angaben
Bestand/Ausstattung:
keine Angaben

Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
keine Angaben
Konstruktion/Material:
Den baulichen Ausgangspunkt für den konstruktiven Aufbau der südwestlichen Turmbedachung bildet das oberste Deckengebälk des Turmes. In Nord-Süd-Richtung verlegt, besteht es aus vier kräftigen Balken, denen in den Zwischenräumen drei im Querschnitt schwächere Balken beigelegt sind. Alle Hölzer sind aus Nadelholz.
Das beschriebene Gebälk bindet in die Mauerkrone ein und bildet für das Hauptdach des Südflügels die Gründungsebene. Dazu sind den Deckenbalken, zwei im Zuge der Südtraufe verlaufende Mauerhölzer in Eiche aufgelegt. Die Mauerhölzer verlaufen parallel zueinander und durchziehen den Turmgrundriss im nördlichen Drittel. An ihren westlichen Auflagerenden sind sie mit den Mauerhölzern des westlichen Dachabschlusses über ein Schwalbenschwanzblatt rechtwinklig verbunden. Sowohl auf den südlichen als auch auf den westlichen Mauerhölzern sind die unterschiedlich abgebundenen, aus Nadelhölzern bestehenden Dachbasishölzer des Hauptdaches aufgekämmt. Von Ost nach West handelt es sich um kurze Dachfußbalken, einen die gesamte Hauptdachbreite durchlaufenden Dachbalken sowie um die in unterschiedlichen Längen und Ausrichtungen verbauten Stichbalken. In die genannten Dachbasishölzer zapfen die verschiedenen Sparren des Hauptdaches. Im Einzelnen sind dies die Vollsparren im Zuge der Südtraufe, die südlichen und westlichen Schiftersparren sowie der Gradsparren. Alle aufgeführten Hölzer sind aus Nadelholz.
Nach der Abzimmerung und Errichtung des Hauptdaches erfolgte der eigentliche Abbund der Turmbedachung. Das konstruktive Auflager bilden, wie am Hauptdach, der Mauerkrone aufgelegte Mauerhölzer. In diesem Fall nicht gedoppelt sondern einfach ausgeführt, handelte es sich um sieben eichene Segmente, die mit waagerechten und vernagelten Blattstößen miteinander verbunden sind und segmentartig der äußeren Rundung des Turmes folgen. Mit den Mauerhölzern des Hauptdaches liegen sie einer gemeinsamen Ebene.
In einem zweiten Schritt wurde ein in Süd- Nord- Richtung ausgerichteter Dachbalken verlegt. Dem südlichen Turmmauerholz und dem südlichen Mauerholz des Hauptdaches aufgekämmt, durchzieht er den halben Turmdurchmesser. Dem Dachbalken ist im rechten Winkel, im Turmzentrum, ein zweiter, in Ost-West-Richtung verlaufender Dachbalken mit halber Querschnittsstärke aufgeblattet. Doppelt solang wie der erste Dachbalken durchzieht er den gesamten Turmdurchmesser.
Im östlichen und westlichen Winkel der beiden Dachbalken ist jeweils ein Diagonalholz verbaut. Sie zapfen in die beiden Dachbalken und bilden in ihrer Funktion als Wechsel die Basis für jeweils vier radial nach außen, in Richtung Mauerhölzer verlaufende Langstiche. Zwischen diesen Langstichen ist in Abstimmung mit der inneren Mauerrundung eine zweite Wechselfolge eingezapft. Analog zu den Diagonalhölzern bilden auch sie die konstruktive Basis für weitere, in diesem Fall kürzere Radialstichbalken. Bis auf die eichenen Mauerhölzer sind alle anderen Bauhölzer aus Nadelholz.
Den Mauerhölzern aufgekämmt, zapfen sowohl die beiden Dachbalken als auch die unterschiedlich langen Stiche in eichene, der äußeren Turmrundung folgende Gesimsbalken. Mit den einzapfenden Hölzern vernagelt beziehungsweise mittels einer Bauklammer verbunden, kragen die eichenen Gesimsbalken deutlich über das steinerne Gesims des Unterbaus hinaus. Das hölzerne Gesims besteht in der Regel aus kurzen, zwei Stichfelder begrenzende Segmente. An den Nahtstellen sind die Gesimshölzer hin und wieder mit Eisenklammern verbunden.
Sowohl die Abfolge der Gesimshölzer als auch die Anordnung der in sie zapfenden Hölzer ist wie die Wechselkette durch die steigende Folge der römischen Zahlenreihe gekennzeichnet. Den Anfang bildet dabei das östliche Ende des durchlaufenden Dachbalkens. Nach Norden ausgerichtet steigt die jeweilige Zahlenreihe von hier aus im Uhrzeigersinn an.
Über der aus Dachbalken, Wechsel und Stichbalken bestehenden Dachbasis ist das Traggerüst der Turmhaube abgezimmert. Es besteht aus dem im Schnittpunkt der beiden Dachbalken aufgezapften Kaiserstiel und den ihn in seiner Vertikalstellung in vier Richtungen fixierenden Streben. Der im Querschnitt runde Kaiserstiel ist aus Nadelholz und reichte ursprünglich bis in die Dachspitze. Aus Nadelholz sind auch die Streben, deren beidseitige Enden auf Druck beansprucht werden und als Versätze ausgebildet sind.
Die Formgebung der Haube ist im Zuge des aufsteigenden Kaiserstiels durch dessen konstruktive Ausführung in zwei voneinander getrennten Abschnitten unterteilt. So ist der Querschnitt des Kaiserstiels im oberen Drittelspunkt durch eine 18cm hohe und 3,5cm tiefe Ausnehmung zurückgenommen. Die Ausnehmung bildet das Auflager für einen waagerechten Blockkranz, bestehend aus 36 spitz zulaufenden und ca. 1m langen Vollhölzern. Die so gebildete Blockebene begrenzt einerseits den oberen Abschluss des unteren Haubenbereiches, während sich darüber knopfartig die Haubenspitze entwickelt.
Die tragenden Konstruktionsteile des unteren Haubenbereiches bilden insgesamt 36 Sparren. Mit ihren unteren Enden zapft die Mehrzahl der Sparren in die oben erwähnten Stich- oder Dachbalken, während die Zapfen der oberen Enden in die Ausnehmung an den Unterseiten der Blockkranzhölzer greifen. Damit dies mit dem verkleinerten Radius auch praktisch funktioniert, sind die Sparrenquerschnitte nach innen konisch zugeschnitten. Enden die Sparrenfüße auf den abgewalmten Dachflächen des Hauptdaches, so stehen sie entweder auf den Sparren des Hauptdaches oder stumpf auf Brettern, welche den Schiftersparren aufgenagelt waren. Auf den Oberseiten aller Sparren lagern die für die Haubengestalt formgebenden Spanten. Mittig aufgesetzt, sind sie außerhalb der Walmflächen aus drei, ca. 6,5 bis 7cm starken Brettern zusammengesetzt. Im unteren Abschnitt stehen die Spanten stumpf auf den eichenen Gesimshölzern, wobei ihre Lage durch geschmiedete Nägel fixiert wurde. Mit dem folgenden Spantenabschnitt bilden sie einen stumpfen Stoß, der einseitig durch aufgenagelte Brettlasche gesichert ist. Im weiteren Verlauf liegt der Stoß mit dem letzten Spanten im Bereich der größten Ausbauchung und wird durch ein zangenartiges Distanzholz gesichert. Dazu greift das Distanzholz mit einem Zapfen in den Sparren und umgreift mit dem gegenüber liegenden Ende die Nahtstelle der Spanten. Der zapfenartige Abschluß des oberen Spanten lehnt sich, analog zu den Sparren, über die gleich Ausnehmung gegen den Blockkranz.
Die fächerartige Anordnung der 36 Spanten, Distanz- und Blockkranzhölzer wurde durch das römische Zahlensystem gekennzeichnet, wobei die Abfolge der Zahlenreihe bei nördlicher Blickrichtung im Uhrzeigersinn verläuft.
Im Vergleich zum unteren Haubenbereich besitzt der obere Haubenbereich keine Sparren. Hier sind es allein die Spanten, die sowohl die Form, wie auch die Konstruktion vorgeben. Wie schon erwähnt bildet der Blockkranz die Auflagerebene. Ihm sind, entlang dem äußeren Radius fünf eichene, ca. 26cm starke und insgesamt maximal 40cm breite Segmenthölzer aufgelegt. Ausladend profiliert bilden sie gegenüber dem Blockkranz einen Tropfüberstand aus, wobei die Segmenthölzer dem Blockkranz lose aufliegen. Lediglich ihre Lage wurde mehrfach gesichert. So sind die stumpf ausgeführten Nahtstellen der einzelnen Segmenthölzer durch Bauklammern fixiert. Eine weitere Sicherung der Segmenthölzer erfolgte durch aufgeblattete Distanzhölzer, so dass im Verbund aller Sicherungen untereinander eine weitgehend steife Scheibe erreicht wurde.
Ihr wurde, wieder entlang dem äußeren Radius, ein weiterer Eichenkranz aufgelegt. Im Gegensatz zur unteren Scheibe liegt der Eichenkranz nicht lose auf, sondern wurde der unteren Scheibe mit kräftigen Eisennägeln aufgenagelt. Wie schon zuvor bildet auch dieser Eichenkranz einen Tropfüberstand aus.
Der etwa 7cm starke und 18cm breite Eichenkranz stellt das Widerlager für die darüber aufgestellten Spanten. Dazu übergreifen die unteren Spantenenden den Eichenkranz mit einem Rückversatz und lehnen sich mit ihren oberen, konisch zugeschnittenen Enden gegen den Kaiserstiel. Im angetroffenen Zustand war dieser im oberen Haubenbereich nur noch als aufragender Stummel erhalten. In späterer Zeit dem bauzeitlichen Kaiserstiel aufgesetzt, handelt es sich bei der Verlängerung, in Anlehnung an die verschraubte Sicherung, wohl um eine Reparaturmaßnahme des frühen 20. Jahrhunderts. Wie auch für den ursprünglichen Kaiserstiel anzunehmen, läuft der erneuerte Kaiserstielabschnitt spitz aus, wobei ihm als Abschluss eine blecherne Firstbekrönung übergestülpt wurde.
Auf den formgebenden Spanten war eine flächige Brettverschalung aufgenagelt. Im angetroffenen Zustand nur noch partiell erhalten beziehungsweise punktuell erneuert, besaßen sie eine Stärke von knapp 2 cm. Offensichtlich grün verarbeitet, überdeckten sie bis zu 2 Feldern, wobei sie dabei im Spannungsbereich über den Spanten oftmals angebrochen waren. Der Übergang von Brett zu Brett war durch Abkantungen der Brettkanten auffällig sorgfältig angepasst.
Auf den Brettern war nach Aussage der vor Ort tätigen Zimmerleute eine Schieferdeckung aufgenagelt.

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